blogoscoop
 
1 Stern2 Sterne3 Sterne4 Sterne5 Sterne
17 Bewertung(en)
Loading...Loading...
am 08.11.2012 von Oliver Belikan

Vor einiger Zeit noch waren Konfiguratoren eher eine technische Spielerei, ein Nice To Have. Die Technik stand im Vordergrund. Heute liegt der Fokus auf dem fachlichen Nutzen. Für viele Firmen sind Online-Konfiguratoren ein nicht mehr wegzudenkendes Marketing- und Vertriebstool geworden.

Online Konfigurator wird Super Touchpoint am Beispiel BMW Car ConfiguratorAls Königsklasse gelten die Auto-Konfiguratoren. Über kaum ein anderes Tool kann sich ein Interessent besser über ein Fahrzeug informieren, als über den Konfigurator. Der Kunde möchte individuell wahrgenommen und intelligent durch die Konfiguration geführt werden. Verirrt er sich in den Kombinationsmöglichkeiten von Farben, Ausstattungen und Zubehör möchte er zügig Hilfe bekommen. Erst wenn das konfigurierte Fahrzeug baubar ist, möchte der Interessent bei einem Händler in der Nähe ein ähnliches Fahrzeug probefahren oder sogar gleich beim nächsten Händler bestellen.

Im Durchschnitt verbringt ein Nutzer 22 Minuten mit der Konfiguration von Produkten. Verglichen mit 25 Sekunden für einen Produktkatalog sind das kommunikative Welten. Dieses hohe Nutzer-Involvement begeistert nicht nur das Marketing. Vor allem der Vertrieb und der After-Sales erkennen den hohen Wert, diesen Kundenkanal als stets aktuelle Informations- und Dialogquelle zu nutzen.

Ein Wissensschatz für Vertrieb und Service

Während einige Ausstattungen seltener nachgefragt werden, werden bestimmte Ausstattungsvarianten vielleicht häufiger konfiguriert. Dies ist für den Vertrieb ein wichtiger Hinweis, um bestimmte Produktpakete schnüren und häufig vorkommende Variationen günstiger anbieten zu können. Auf diese Weise können zielgruppenspezifische Produktlinien wie Sportlich, Familie, Exclusiv entstehen.
Letztendlich kann auch die Produktion oder Logistik sogar eine Prognose über zu erwartende Bestellungen erhalten. So können häufig zu bauende Konfigurationen bereits vorgefertigt und notwendige Teile günstiger eingekauft werden. Ein Rad greift so in das Andere.

Durch Online-Konfiguratoren lässt sich über Cross-Selling-Angebote gutes Zusatzgeschäft generieren. Beispielsweise empfiehlt BMW seinem Kunden eine passende Ladeschale für das Smartphone, sobald dieser das Connecte Drive Paket ausgewählt hat. Oder aber typische Up-Selling-Angebote wenn z.B. ein Kunde ein kleines, günstigeres Navigationsgerät ausgewählt hat, können prompt die Vorteile des höherwertigen Geräts aufgezeigt werden.
Das Ganze kann in den Konfigurationsprozess so eingebunden werden, dass es nicht als störend sondern eher als hochwertige Beratung empfunden wird. Gute Beratung ist beim Kauf von Automobilen nach wie vor ein Schlüsselelement. Wenn der Kunde mit seiner bereits zusammengestellten Konfiguration zum Händler kommt, kann der Verkäufer gezielter und qualitative hochwertiger beraten. Der Verkaufsprozess beschleunigt sich, da der Kunde bereits deutlich informierter ist und besser über weitere Varianten und Möglichkeiten Bescheid weiß. Letztendlich kann der Verkäufer in der gleichen Zeit sogar mehr Fahrzeuge verkaufen, wie wenn Kunden ohne Online-Konfiguration in das Autohaus kommen.

Ist das Händlersystem mit dem Online-Konfigurator vernetzt, kann der Verkäufer Online auf die vom Kunden getätigte Konfiguration zugreifen. Das geht allerdings nur, wenn die verschiedenen Softwaresysteme zuverlässig miteinander verknüpft sind. Vernetzung aller relevanter Systeme aus Vertrieb und Produktion ist für ein optimales Kundenerlebnis unabdingbar. Die Datenbasis aus der Produktion muss um wichtige Vertriebsinformationen angereichert werden. In der Regel ist das die Aufgabe von Vertrieb & Marketing. Erst wenn der gesamte OtO-Prozess (Offer-to-Order) technologisch durchgängig umgesetzt ist, kann die Produktion und der Vertrieb fehlerfrei kommunizieren und dem Kunden über die Online-Konfiguration ein begeisterndes Erlebnis bieten.
Die Qualität der technischen Basis entscheidet über Erfolg oder Misserfolg. “Es ist so, wie wenn Sie ein Hemd zuknöpfen. Wenn Sie schon den untersten Knopf falsch knöpfen, passen alle folgenden Knöpfe nicht mehr”, so Patrick Schmerbach, Business Consultant des Softwarehauses doubleSlash. Sind diese wichtigen Hausaufgaben erledigt, kann jeder Online-Konfigurator zum Super-Touchpoint des Marketing und Vertrieb werden.

Ein Beitrag von Oliver Belikan.

Sehen Sie auch: Die neuen Super-Touchpoints der Customer Journey

7 Antworten zu “ Online Konfiguratoren werden Super-Touchpoint ”

  1. Sabine sagt:

    Wenn man den Artikel liest, erscheint der Begriff des „Super-Touchpoints“ nicht übertrieben für den Marketing Wert des Online Konfigurators.

    Mir fehlt allerdings ein Aspekt. Denn eine weitere wichtige Eigenschaft moderner Online Konfiguratoren ist die transparente, immer korrekte und zuverlässige Darstellung von Listenpreisen für die aktuelle Konfiguration. Preise und vielleicht auch Finanzierungsoptionen sind ein wesentlicher Faktor für die Kaufentscheidung des Kunden. Auch hier ist wiederum die technische Datenbasis von enormer Bedeutung für den Erfolg des Online Konfigurators. Und vielleicht sogar eine der Königsdisziplinen.

  2. Oliver Belikan sagt:

    Hallo Sabine,

    Preisbildung und Preisfindung ist in der Tat eine Herausforderung bei komplexeren Produkten. Der Trend geht auch in Richtung individueller Preis der abhängt von Jahreszeit, Gültigkeit, Status des Kunden, Verfügbarkeit der Materialien und vor allem sofortige Finanzierung.
    Persönliche finde ich das Thema Schutz und Vertraulichkeit sehr herausfordernd, denn an keinem anderen digitalen Touchpoint fallen derartige viele und interessante Daten an wie an einem Konfigurator. Darum lohnen sich Maßnahmen die zur Vertraulichkeit absolut beitragen. Ich denke an die Integration des elektronischen Personalausweises als Beispiel.

    Ich dachte übrigens das teuerste zu konfigurierende Fahrzeug würde es mit dem Brabus Konfigurator geben. Dann entdeckte ich den Mähdräscherkonfigurator von John Deere.
    https://plus.google.com/u/0/105901437457254847426/posts/HWbRg32QkbN

    Grüße, Oliver

  3. Udo Kibele sagt:

    Prima Artikel, gut recherchierte und fundiert Aussagen zum Thema. Unterschreibe ich genau so wie Oliver Belikan das hier schreibt.

    Was ich noch ergänzen würde ist die Ver- & Einbidnung der Social Media Kanäle. Die Konfiguratoren wachsen, von rein “technischen Zusammenstellwerkzeugen”, immer mehr zu Erlebnisplätzen. Ich kann mir “was auch immer” online zusammenstellem. In Echtzeit wird mir der aktuelle Objektpreis mitkalkuliert. In guten Konfiguratoren bekomme ich dann mein “Ergebnis” schon 3D gerendert oder via AR angezeigt. Ich kann das Objekt der Begierde von oben und unten und links …. anschauen.

    Entscheidender Trust wird nun aber zukünftig sicher noch über die Social Media hinzugefügt werden. Da wird mir dann z. B angezeigt das Peter oder Susi – kenne ich natürlich aus meinem Netzwerk – das Produkt auch schon konfiguriert oder sogar schon gekauft haben. Oder ich finde in meinem Konfigurationsvorgang Stimmen zum Produkt oder Erfahrungsberichte. Hab ich mein Produkt konfiguriert und will mir sicher sein das es – auch aus der Sicht anderer – eine gute Wahl ist, dann poste ich mein “Model” einfach in die Social Media Kanäle und warte auf Feedback.

    Es bleibt spannend! Freuen wir uns auf alles was da noch möglich sein wird :-)

    Viele Grüsse aus dem revier

    Udo Kibele

  4. Der Post-Filialfinder – eine Erfolgstory sagt:

    [...] Post bei. Der Postfinder ist mit ansprechendem Design und funktionierender Technik ein wahrer Super-Touchpoint. Die wertvollen Erfahrungen von doubleSlash stehen künftig weiteren Unternehmen zur [...]

  5. Leuchtturm im Marketing-Mix: Der digitale Super-Touchpoint sagt:

    [...] im Kaufprozess intelligenter und faszinierender unterstützen als bisher. Typisches Beispiel sind Online-Konfiguratoren. Speziell Car-Konfiguratoren der neusten Generation bieten inzwischen unglaublich smarte [...]

  6. Unternehmen müssen Sprache des Kunden sprechen sagt:

    [...] um Reduzierung von Komplexität, die Bereitstellung personalisierter Informationen oder auch um das Konfigurieren von Produkten und Dienstleistungen über spezielle Touchpoints. Einer essentieller Faktor, der nach wie vor [...]

  7. Anfassen oder anklicken – wie gut sind die digitalen Verkaufsberater wirklich? sagt:

    […] Dabei stelle ich schnell fest, dass die großen Automobilhersteller Audi, Mercedes und BMW an ihrem Supertouchpoint „Fahrzeugkonfigurator“ ihre Hausaufgaben gemacht haben. Im Detail sind aber deutliche Unterschiede bei der digitalen […]

Kommentar verfassen