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am 15.11.2010 von Christian Spohr

Am 10. und 11. November fand in München die RIAWorld Web 2.0 Entwicklerkonferenz statt. Zusammen mit einem Kollegen, besuchte ich sowohl die Vorträge am Mittwoch als auch die Workshops am Donnerstag. Die Qualität der Vorträge war durchmischt: von sehr interessant und gut präsentiert bis hin zu belanglos. Es liefen dabei immer zwei Vorträge bzw. Workshops zeitgleich, jeweils einer für Entwicklung und einer für Konzeption, wobei sich die Themen teilweise auch überschnitten.

Eröffnet wurde die Konferenz durch Michael Mahemoff von Google UK zum Thema „HTML 5 everywhere“. Mit einer flippigen Präsentation zeigte er, welche Möglichkeiten HTML 5 bietet, was mit Javascript, CSS und HTML wo möglich ist. Das war schon sehr beeindruckend und weckte enormes Interesse auf die Vertiefung dieser Themen in anderen Vorträgen.

Das Thema HTML 5 wurde dann aber vorerst zurückgestellt: Patrick de Jong vom Artificial Duck Studio aus Hamburg zeigte anhand spektakulärer Projekte seiner Schmiede, wie beispielsweise ein Online-Autorennen durch Europa für BMW (http://www.bmw-pace.com/pace/) oder einer sehr coolen interaktiven Installation in der Hamburger Goldfischbar die Weise der Zusammenarbeit in ihrer Agentur und wie sich generell Teamarbeit entwickelt hat. Viel früher setzt hier schon die Entwicklung ein, schon bei der Konzepterstellung bzw. Ideenentwicklung. So können auf der einen Seite Probleme aufgrund technischer Gegebenheiten frühzeitig erkannt und evtl. verhindert werden, auf der anderen Seite bietet das aber auch die Möglichkeit, die Entstehung und Entwicklung eines Projektes, offener zu gestalten und somit manchen Mehrwert zu gewinnen.

Der anschließende Vortrag von Alan Ross und Kai-Philipp Schöllmann von Des Pudels Kern drehte sich anfangs um ihr Projekt Audiotool (http://www.audiotool.com), eine browserbasierte Applikation, mit der Musiker kollaborativ arbeiten können. Ich kenne mich mit dem Thema Musiksoftware ein bisschen aus und wirklich überzeugt hat es mich nicht, allerdings lieferte der Beamer teilweise etwas zu dunkle Bilder, so dass man oft wenig erkannt hat (ein Problem, mit dem alle Vortragenden zu kämpfen hatten). Der Vortrag schwenkte dann um in ein Lessons Learned: Was lief bei der Entwicklung schief und warum. Naja, dabei wurde so gut wie gar nichts Neues erwähnt und auch die Lösungsansätze kennt man oder kann sie sich selbst zusammen reimen. Dass die direkte Kommunikation zu zweit oder dritt am Whiteboard besser ist als eine Konferenz via Skype klingt logisch, schien hier aber das zentrale Thema für eine gute halbe bis dreiviertel Stunde zu sein.

Mit einem historischen Rückblick, wie sich die User Interfaces entwickelt haben, begann Philipp Sackl von envis precisely. Thema war allerdings, welche Interaktionsformen es schon jetzt gibt und es in Zukunft geben wird. Vor allem Adobe Rome fand ich dabei interessant. Dies ist ein abgespecktes Online-Photoshop, das nicht mehr mittels Panels arbeitet, sondern alle Funktionen via Kontextmenüs erreichbar macht. Für den eher geringen Platz im Browser eine clevere Lösung.

Dann sollte eigentlich Prof. Dr. Dieter Wallach einen Vortrag zum Thema Rich User Experience halten, der auch sehr vielversprechend schien. Prof. Dr. Dieter Wallach war aber verhindert und stattdessen stellte Thomas Reppa Robotlegs, ein Framework für Flash Action Script bzw. Flex vor. Leider war das Thema sehr speziell für Flash-Entwickler und hatte mit dem ursprünglich vorgesehenen Thema nichts zu tun.

Den Abschluss des ersten Tages gab The Mobile Future. Thema war: “welche Technologien für mobile Devices Anwendung finden”, wobei erstmals wieder auf HTML 5 eingegangen wurde. Hier tritt die Problematik unterschiedlicher Plattformen der Smartphones und Anforderungen der Stores auf, die sehr an den Browserkrieg erinnert. David Aurelio von uxebu ltd. gab Tipps, wie man damit umgehen kann. So erleichtert zum Beispiel der Einsatz von PhoneGap die Entwicklung von crossbrowserfähigen Apps, für die gängigsten mobilen Smartphones. Das Debugging auf den meisten Handys erinnerte mich übrigens an vergangene Zeiten, „alert“ ist wieder im kommen.

Thema des ersten Workshops am zweiten Tag war das Finden und Entwickeln von Ideen. Andreas Schimmelpfennig erzählte, wie seine Agentur elastique zu spektakulären Ideen kam, stellte dabei eine Vielfalt unterschiedlichster Projekte vor. Von der Webseite eines SAP-Consulting-Unternehmens über einen BMW-Werbefilm bis hin zur Messeinstallation für Nikon. Man kam aus dem Staunen kaum heraus. Der Referent sparte aber auch Dinge nicht aus, die im Nachhinein gesehen, nicht so gut liefen und weshalb sie nicht so gut liefen. Knackpunkt des einleitenden Vortrags war, dass am Anfang eines Projektes keine Grenzen gesetzt werden sollten. Die Ideen dürften verrückt, nicht umsetzbar, in Werbethemen politisch unkorrekt, zu flippig sein… runterbrechen könne man immer noch und selbst dann entstehe meist eine charmante Lösung. Ich denke, dass man bei der Entwicklung mancher User Interfaces auch erstmal über technische Grenzen hinweg denken kann. Der eigentlich Workshop, in dem wir in Gruppen das Ideenfinden übten (ja, es gibt auch hier Techniken), war dann aus Zeitgründen ziemlich eingeschränkt, was aber nicht so schlimm war, da die einleitende Präsentation wirklich sehr beeindruckend war.

Der Nachmittag begann mit dem Thema, welches für uns eigentlich das interessanteste war: HTML 5. Hier wurde endlich, wirklich konkret gezeigt, was möglich ist und wie einfach animierte und dreidimensionale Elemente mittels CSS3 und Javascript umgesetzt werden können. Die etwas altbackene Präsentation des kurzfristig eingesprungenen Alex Ebner schien zwar dem Thema nicht gerecht zu werden, machte aber dennoch Lust auf HTML 5.

Zu was Javascript außerdem in der Lage ist, zeigte im abschließenden Workshop Nikolai Onken von uxebu Amsterdam. In kürzester Zeit (zieht man die Redezeit ab, etwa eine Viertelstunde) programmierte er in Javascript eine Schaltung für eine auf seinem Schreibtisch stehende Lampe. Die Applikation wurde auch in eine mobile App umgewandelt, so dass er die Lampe mit seinem Android Smartphone steuern konnte. Dass Haushaltsgegenstände online gesteuert werden, hat früher beeindruckt, heute weiß man, dass dies im Kommen ist. Dass man aber dafür Javascript auf einfache Weise verwenden könnte, ist jedoch die größere Überraschung.

Fazit:
Die RIAWorld 2010 war durchaus interessant, wenn es auch Schwächen gab, die sich aber vor allem in den beiden erwähnten Vorträgen des ersten Tages zeigten. Zusammenfassend waren die meisten Vorträge und Workshops gut und interessant. Es ist eindrucksvoll, wohin sich die Webwelt entwickelt und so nahm man sich einiges an Ansporn mit. Von HTML 5 hätten wir gerne noch mehr gehört, dass ist aber wohl in einer solchen Konferenz kaum machbar (das andere große Thema war übrigens Mobile Flash, womit wir uns aber nicht so sehr auseinandergesetzt haben).

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