Billing und Payment: Digitale Geschäftsmodelle brauchen automatisierte Rechnungsprozesse

In Zeiten digitaler Geschäftsmodelle ist es wichtig, Leistungen schnell und flexibel abrechnen zu können, denn es werden immer weniger Produkte verkauft, sondern deren Nutzung. Dazu können dem Kunden unterschiedliche Tarife angeboten werden – von der Flatrate bis zur nutzungsbasierten Abrechnung. Damit ändern sich auch die Anforderungen an Rechnungs- und Bezahlprozesse.

Bezahlprozesse im Alltag verlaufen in der Regel recht einfach: Waren beispielsweise im Supermarkt werden bezahlt, bevor sie das Geschäft verlassen. Es erfolgt eine „direkte“ Transaktion im Laden via Bargeld oder Karte. Aber auch bei digitalen Services setzen Kunden mittlerweile voraus, dass nutzungsbasiert abgerechnet wird. Dazu werden alle Verbrauchsdaten wie z.B. Ladevorgänge beim E-Fahrzeug erfasst und nach Tarif abgerechnet. Eine aufwendige Angelegenheit: Wenn beispielsweise ein hoch automatisiertes Fahrzeug mehrfach pro Tag einen Service in der Cloud aufruft, entstehen bei 1 Mio. Fahrzeugen relativ schnell mehrere Milliarden Datensätze pro Monat.

Einfach nutzbare Services lassen sich bei diesem Datenaufkommen nur über einen hochautomatisierten und kosteneffizienten Billing- und Paymentprozess abbilden, mit dem auch immer kleinere Beträge effizient abgewickelt werden können. Billing bezeichnet dabei die Kalkulation eines Rechnungspreises, basierend auf Nutzungsdaten in einem festgelegten Tarif. Unter Payment wird der Transfer von Geld von einem Konto auf ein anderes Konto verstanden. Im Gegensatz zu früher, wo jedem Produkt ein fester einmaliger Preis zugeordnet war, setzt sich bei Servicemodellen wie Pay per Use der Preis für die Nutzung einer Dienstleistung oder eines Produktes aus mehreren Faktoren zusammen. Sie alle sind relevant für den Billingprozess.

Billing Systeme müssen neue Anforderungen erfüllen

Das Billing System ist der Dreh- und Angelpunkt im Abrechnungsprozess. Dort werden die Tarif- und Nutzungsdaten erfasst, zwischengespeichert und aufbereitet. Sodass am Ende des Abrechnungszeitraums eine Rechnung generiert werden kann, die auf den Vertragsdaten basiert. Die Mediation-Komponente im Billingsystem sorgt dafür, dass die Nutzungsdaten in einem einheitlichen Format vorliegen. Im anschließenden Ratingprozess werden die vereinheitlichten Nutzungsdaten mit den Tarifinformationen aus dem Vertrag verrechnet. Am Ende wird eine Gesamtrechnung erstellt. Aus diesem Prozess werden alle Informationen generiert, die für die Endkundenrechnung und die Buchhaltung relevant sind.

Wichtig sind hierbei Schnittstellen, über die dem Billing System die großen Mengen an Nutzungsdaten bereitgestellt werden (im Beispiel Charge Detail Record). Die Transformation der Daten in ein einheitliches Format ist dabei die Herausforderung, da heute immer noch viele Serviceanbieter eigene Datenformate verwenden. Hinzu kommt, dass es in der Realität sehr viele verschiedene Serviceanbieter, wie Tankstellen, Parkhäuser und Stromanbieter gibt. Bestehende Abrechnungssysteme stoßen dabei oft an ihre Grenzen, da sie sind in der Regel für physikalische Produkte mit Artikelnummern gemacht und oftmals nicht mit den passenden Schnittstellen für die Erfassung der Nutzung ausgestattet sind. Die nötigen Anpassungen sind meist sehr aufwendig.

Billing Prozess am Beispiel „Laden eines Elektrofahrzeugs“

 

Das Beispiel E-Mobility macht diesen Vorgang deutlich. In der Realität lädt der Kunde sein Fahrzeug bei unterschiedlichen Anbietern und muss sich mit folgenden Herausforderungen auseinandersetzen:

  • Unterschiedliche Authentifizierungsmethoden an der Ladesäule z.B. über Ladekarte, via App oder Personalausweis
  • Unterschiedliche Zahlungsmethoden via Bargeld oder Kreditkarte vor Ort, über PayPal oder Verträge mit Ladeflatrates bei den jeweiligen Betreibern
  • Unterschiedliche Abrechnung, bei der der Kunde von jedem Betreiber eine gesonderte Rechnung bekommt

Die Konsequenz: Der Besitzer eines E-Fahrzeugs muss mit vielen verschiedenen Ladekarten und Apps hantieren, um die öffentliche Ladeinfrastruktur bei sich in der Umgebung zu nutzen. Zudem müssen Abrechnungen von jedem einzelnen Anbieter bearbeitet werden. Das führt nicht selten zu einer Frustration beim Kunden.

BMW ChargeNow beispielsweise nutzt für seinen Ladeservice ein zentrales Billing System, das unterschiedliche Anbieter von Ladesäulen über technische Schnittstellen integriert. Für den Kunden bedeutet das: Er schließt einmal einen Vertrag mit einem bestimmten Tarif ab und kann damit alle Services nutzen, die ChargeNow anbietet. Er bekommt eine Ladekarte und kann damit an sämtlichen Ladestationen, die im ChargeNow-Netz angebunden sind, laden. Auf der ChargeNow Ladekarte befindet sich ein Chip zur Identifizierung eines sogenannten Charge Detail Record, der an einer Ladesäule beim Laden entsteht. Dieser Datensatz sagt aus: Wer hat geladen? Wie lange? Zu welcher Uhrzeit und an welcher Ladesäule? Diese Daten werden dann als Nutzungsdaten an das zentrale Billing System übertragen und sind zusammen mit dem Tarif die Basis für die Berechnung des Rechnungsbetrags. Das Billing System integriert dabei eine Vielzahl an unterschiedlicher Ladeinfrastruktur auf einer Plattform. Der Kunde bekommt dadurch einen städte- und länderübergreifenden Service angeboten – mit einer Zugangskarte, einem leicht verständlichen Preismodell und einer gesammelten Abrechnung am Monatsende. Mit zunehmender Automatisierung kann der Nutzer auch weitere Leistungen unterschiedlicher Servicepartner mit einer Karte in Anspruch nehmen – und mit einer Rechnung bezahlen.

Billing und Payment E-Mobility

 

 

Billing Prozess schon beim Design digitaler Services mitdenken

Beim Design von servicebasierten Geschäftsmodellen wird der Billing Prozess oft vernachlässigt. Fatal, wenn man bedenkt, dass sich die Anforderungen an die Abrechnungssysteme durch die Vielzahl einzelner kleiner Transaktionen (Microtransactions) enorm erhöhen. Es gilt also, schon früh bei der Konzeption solcher Lösungen zu verstehen, welche fachlichen Prozesse vom Billing betroffen sind.

Die größte Herausforderung ist, ein passendes Billing System aufzusetzen oder zu bewerten, wie gut ein bestehendes zum konkreten Anwendungsfall passt. Es gilt, die Schnittstellen zu den Vertrags- und Nutzungsdaten zu kennen und die Identifikation mit dem vernetzten Gerät zu ermöglichen. Um das Know-how nicht erst zeitintensiv selbst aufbauen zu müssen, setzen Unternehmen hier oftmals auf spezielle Produkte, die standardmäßig viele Funktionen anbieten und in die bestehenden Abrechnungssysteme integriert werden können.

Ein Anbieter von Mobilitätsdienstleistungen, der seinen Kunden vielfältige Services anbieten – und dabei die Abrechnung so einfach wie möglich gestalten möchte – braucht ein Billing System, das seine Anforderungen einfach und automatisiert erfüllt. Ansonsten können die Services nicht auf einem Preisniveau angeboten werden, das der Kunde bei digitalen Services erwartet.

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