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Das Internet der Dinge – Kür oder Pflicht für Ihren unternehmerischen Erfolg? (2) IoT rollt die Wertschöpfungskette ganz neu auf

27.02.2015

©-vallepu_Fotolia.comIm ersten Teil dieser Blogserie haben wir darüber gesprochen, dass sich das Internet der Dinge mehr und mehr von einer Neuheit hin zur Basistechnologie entwickelt. Das Internet der Dinge bietet aber nicht nur eine Vielzahl an Möglichkeiten, bestehende unternehmerische Prozesse effizienter und besser zu gestalten. Durch das Potenzial, bisher nicht zur Verfügung stehende Daten zu nutzen, ergeben sich eine Vielzahl an möglichen, neuen Geschäftsmodellen.

Unternehmen müssen sich jedoch auf den Wandel einlassen und verstehen, dass es eine zunehmende Verschiebung in der Wertschöpfungskette gibt:

1. Werteverschiebung von der Hardware zur Software.

Produkte sind künftig immer weniger ein Gebilde von physikalischen Komponenten, sondern bestehen immer mehr aus einer komplexen Kombination von Sensoren, Steuergeräten, Benutzerschnittstellen (Human-Machine-Interface) sowie aus Software. Die Zunahme an Kundenanforderungen sowie die Vielzahl an gesetzlichen Regularien sorgt dafür, dass Software eine immer wichtiger werdende Rolle in der Produktentwicklung spielt.

Beispiel Automobilindustrie: Ein PKW aus der Mittelklasse verfügt mittlerweile über ca. 70-100 Steuergeräte, die nahezu alle im Fahrzeug verfügbaren Daten sammeln und verarbeiten. Am Beispiel Tesla: Die Fahrzeuge sind vernetzt und senden die Daten an die Zentrale des kalifornischen Autobauers, um Einsatzdaten zu monitoren. Außerdem können „over the air“ z.B. neue Software Versionen in das Fahrzeug eingespielt werden. Tesla stellt, produziert, vermarktet und wartet zwar Autos, versteht sich allerdings nicht als klassischer Automobilhersteller. Auch die Tatsache, dass sich der Firmensitz von Tesla nicht in Detroit, sondern im Silicon Valley befindet, unterstreicht dies.
Daher stellt sich für Unternehmen dieser Art auch immer öfter die legitime Frage: „What business am I in?“ [1].

2. Werteverschiebung vom Produkt zum Service.
Der Trend geht weg vom Produktverkauf hin zum Lösungsanbieter. Schließlich möchte der Kunde in der Regel keinen Bohrer kaufen, sondern er möchte ein Loch bohren [2]. Diese Erkenntnis ist an sich nicht wirklich neu, lässt sich mit den neuen technologischen Möglichkeiten jedoch einfacher und besser umsetzen.

Beispiel Konsumgüterindustrie: Philips bietet mittlerweile nutzungsbasierte Modelle an, wo der Kunde nicht mehr die Lampen kauft, sondern sich die Leistung einkauft, dass die Räume bedarfsgerecht belichtet werden. Dieses Modell hat zur Folge, dass der Kunde keine initialen Kosten für die Anschaffung des Produktes mehr hat und nur dann Kosten entstehen, wenn das Licht auch wirklich genutzt wird [3]. Das dahintersteckende Konzept wird Product-as-a-Service [4] genannt.

 

Dieser durchaus drastische Wandel, der sich über die gesamte Wertschöpfungskette von der Produktentwicklung über Marketing und Sales bis zum After Sales Service zieht, hat selbstverständlich nachhaltige Auswirkungen auf die Unternehmen. Künftig erfolgreiche Unternehmen benötigen nicht nur die notwendigen Fähigkeiten für das Design und die Implementierung dieser neuartigen Lösungen, sondern müssen auch für die notwendige IT- Infrastruktur und IT-Security im Unternehmen sorgen.

Abschließend lohnt ein Blick auf die Vorteile aus unternehmerischer Sicht, die die Technologie des Internet of Things bietet:

  • Stärkung des Kundenkontaktes: Im Steinzeitalter der Automobilindustrie Anfang des 20. Jahrhunderts wusste Henry Ford nicht, wer das Auto gekauft hat und wie es genutzt wird. James Heppelmann, seines Zeichen CEO von PTC, hat es so formuliert: “Vendors no longer have to act as if the products are on the dark side of the moon after they are in use“[1].
    Tesla und Co. wissen mittlerweile sehr wohl, bei wem das Fahrzeug im Einsatz ist, wie es genutzt wird und welche Daten im Fahrzeug ermittelt werden. Die Beziehung zum Kunden wird somit enger und bedarfsorientierter.
  • Besseres Verständnis der Produktnutzung: Das Wissen um die Nutzungsdetails des Produktes ermöglicht es dem Unternehmen, den Kunden und seine Produktnutzungsverhalten besser zu verstehen. Unternehmen können dieses Wissen in die Entwicklung künftiger Produktgenerationen mit einfließen lassen.
  • Optimierung der Prozesszeiten: Durch das Wissen, welches Ersatzteil defekt ist, kann der Servicetechniker bereits die für den Einsatz relevanten Teile mitnehmen. Der draus resultierende Nutzen ist, dass das Unternehmen seine Prozesszeiten in Reparatur und Wartung drastisch reduzieren kann.

Nicht nur Unternehmen, auch die Kunden haben nennenswerte Vorteile durch den Einsatz von IoT:

  • Mehr Service Performance: Dadurch, dass der Servicetechniker jederzeit weiß, wie es dem Produkt geht, kann er bessere und bei Bedarf auch schnellere Entscheidungen treffen. Der Kunde hat in aller Regel deutlich geringere Ausfallzeiten des Produktes, auch beim wiederholten Ausfall.
  • Verbesserte Produkte und Services: Durch das Wissen, wie und in welchem Kontext die Produkte eingesetzt werden, können Unternehmen auf lange Sicht dafür sorgen, dass sie bessere Produkte anbieten, da dieses Wissen in den Produktentwicklungsprozess zurückfließt.

 

Lesen Sie hier Teil 1: IoT – vom Newcomer zum Marktdurchbruch
Lesen Sie hier Teil 3: IoT-Entscheidung in Ihrem Unternehmen: Chancen und Risiken sinnvoll abwägen


Quellen:

[1] Harvard Business Review, Ausgabe November 2014, Seite 66

[2] http://www.brandeins.de/archiv/2007/design/ratatazong/

[3] http://www.ellenmacarthurfoundation.org/case_studies/philips-and-turntoo

[4] http://circulareconomytoolkit.org/products-as-a-service.html

[5] Bildquelle: ©-vallepu_Fotolia.com

 

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