Das neue Geschäft mit den Daten: Telematikdaten verhelfen Automobilherstellern zu neuen Geschäftsmodellen

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In der aktuellen Ausgabe der Automobilwoche1 kündigt BMW den Start ihrer Telematik Datenplattform BMW CarData an. Ziel der Plattform ist es, Telematikdaten, die vom Fahrzeug erfasst werden, zur Verfügung zu stellen. Kunden haben damit die volle Transparenz über ihre eigenen Daten, Partnerfirmen können damit zusätzliche nutzenbringende Services für die Kunden entwickeln. Eine Datenweitergabe an die Partnerfirmen soll aber nur dann stattfinden, wenn der Kunde dem explizit zugestimmt hat.

Damit geht BMW einen wichtigen Schritt zur Erfüllung der EU-Datenschutz-Grundverordnung. Zudem soll die Plattform die aktuellen Richtlinien der ISO-20078 erfüllen. Diese Norm wird aktuell entwickelt und „legt die eigentlichen Anforderungen an das Web-Interface hinsichtlich Zugriffs, Dateninhalten, Sicherheit und Zugriffssteuerung fest“.2

Nach drei Jahren Entwicklungszeit wurde BMW CarData jüngst fertig gestellt. Diese vergleichsweise lange Entwicklungszeit ist nicht weiter verwunderlich, weil die Plattform eben nicht nur Fahrzeugdaten an den Kunden weiterreicht, sondern darauf auch ein neues Geschäftsmodell aufbauen soll.

Mit BMW CarData stellt BMW die Weichen für einen Wandel vom reinen Fahrzeughersteller zum Serviceanbieter

War es bisher für Fahrzeughersteller wie BMW und andere üblich materielle Güter zu verkaufen, investieren diese immer häufiger in digitale Geschäftsmodelle. Die hierfür notwendigen IT Systeme müssen nahtlos in eine bestehende Infrastruktur integriert werden.

Dies ist nicht immer ganz einfach. Folgende Themenfelder spielen hierbei eine entscheidende Rolle:

  • Datenanalyse

    Die digitale Transformation geht einher mit einer umfangreichen Datenanalyse. Hierzu müssen vorhandene Datentöpfe hinsichtlich ihrer datenschutzrechtlichen Relevanz und ihr Potential für ein digitales Geschäftsmodell untersucht werden. Die Qualität der Daten hängt von ihrer Aktualität und ihrer Verfügbarkeit ab. Die Daten, die durch die Nutzung von Connected Car Diensten erfasst werden, stehen dabei im Mittelpunkt.

  • Analyse und Dokumentation der bestehenden IT Landschaft

    Die Prozesse eines digitalen Geschäftsmodells werden durch eine Vielzahl von IT-Systemen abgebildet. Die Systeme müssen miteinander über Schnittstellen vernetzt werden, sowohl aus technischer- als auch aus fachlicher Sicht. Ziel ist es eine leistungsfähige und vor allem integrierte IT-Landschaft mit einem durchdachten und nachvollziehbaren Datenmanagement zu etablieren. Von den neuen Geschäftsmodellen kann nur der profitieren, wer von Anfang an eine skalierbare Lösung entwickelt.

  • Zusammenarbeit von Fachabteilung und IT

    Das digitale Geschäftsmodell wird in der Regel von der Fachabteilung entwickelt. Hierbei kommt es darauf an, schnell auf Anforderungen und Bedürfnisse der verschiedenen Stakeholder einzugehen. Aufgabe der IT-Abteilung ist es, das digitale Geschäftsmodell in Software umzusetzen, wobei nur ein größtmöglicher Grad an Automatisierung der Prozesse für die nötige Skalierung sorgt. Es ist daher von großer Bedeutung, dass Fachabteilungen und IT gemeinsam Lösungen agil entwickeln. Im Mittelpunkt steht die Prozessmodellierung. Zu komplexe Prozesse werden vom User in der Regel nicht akzeptiert. Folglich gilt es, die Komplexität, die ein digitales Geschäftsmodell wie BMW CarData mit sich bringt, sowohl vor dem Kunden, als auch vor den Dienstleistern, die diese Daten weiterverarbeiten möchten, zu reduzieren.

BMW geht davon aus, dass eine ganze Reihe von Dienstleistern basierend auf der neuen Plattform eigene Services entwickeln und anbieten können und scheut einen Vergleich mit dem AppStore von Apple nicht. Als der AppStore gestartet wurde, sei auch nicht klar gewesen, was darüber alles angeboten wird, argumentiert Christian Clauss (Projektleiter bei BMW) in der Automobilwoche.

Entscheidend für den Erfolg der Plattform ist sowohl der Kunde, als auch eine kritische Masse an Drittanbietern, die sich mit ihren Apps und Prozessen an BMW CarData anschließen. Entwickelt der Kunde ausreichend Vertrauen in BMW CarData und wittern auch die Drittanbieter mehr Geschäft für ihre Services, dann kann sich daraus ein Standard entwickeln, bei dem auch andere Automobil-Hersteller nachziehen werden.


Quellen:

[1] Automobilwoche: Ausgabe 12 · 29. Mai 2017
[2] https://www.vda.de/de/themen/sicherheit-und-standards/normung/normung.html

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