Anspruchsvolle Entscheidungsfindung? Mit der Nutzwertanalyse relevante Handlungsalternativen im Team ermitteln

21.10.2021

Entscheidungsfindungen, bei denen vielfältige Aspekte berücksichtigt oder mehrere Personen beteiligt sind, erfordern eine strukturierte Methodik – vor allem in Projekten.

Die Nutzwertanalyse hilft in solchen komplexen Situationen Handlungsalternativen anhand verschiedener Kriterien zu bewerten und dadurch die bestmögliche Lösung zu finden. Dafür sind lediglich 7 Schritte notwendig, die in diesem Blogbeitrag erläutert werden. Im Rahmen meiner Bachelorthesis habe ich diese Methodik analysiert, erarbeitet und angewendet.

 

Was genau ist eine Nutzwertanalyse?

Wenn anhand weicher Kriterien zwischen zwei Alternativen eine Entscheidung gefällt werden muss, kommt häufig die Nutzwertanalyse zur Anwendung. Weitere Namen für die Nutzwertanalyse sind NWA, Punktbewertungsverfahren oder Scoring-Modell. Schwere Sachverhalte können in Zahlen gefasst werden. Die Bedienung ist nutzerfreundlich und zeitsparend.
Diese Methodik kann in unterschiedlichsten Situationen hilfreich sein – z.B. wenn bei einer Neuentwicklung eine Entscheidung zwischen zwei Varianten gefällt werden muss.

 

Die sieben Schritte der Nutzwertanalyse im Überblick

Schritt 1: Arbeitsumfeld organisieren
Schritt 2: Entscheidungsproblem benennen
Schritt 3: Entscheidungsalternativen auswählen
Schritt 4: Entscheidungskriterien definieren
Schritt 5: Entscheidungskriterien gewichten
Schritt 6: Entscheidungskriterien bewerten
Schritt 7: Nutzwert berechnen

 

Schritt 1: Arbeitsumfeld organisieren

Zu Beginn ist es wichtig ein konstruktives Arbeitsumfeld zu schaffen. Das bedeutet, es muss ein Moderator bestimmt werden, der die Methodik der Nutzwertanalyse kennt und deren Durchführung übernehmen kann. Des Weiteren müssen die Personen ausgesucht werden, die aufgrund der Entscheidungsbefugnis für ihren Bereich oder ihrer spezifischen Expertise für die Entscheidungsfindung relevant sind.

 

Schritt 2: Entscheidungsproblem benennen

In einem zweiten Schritt ist es wichtig das Entscheidungsproblem zu benennen. Die Nutzwertanalyse kann vor allem für zwei Arten von Entscheidungen eingesetzt werden: Einerseits kann die Methode helfen, ein Auswahlproblem, bei dem es mehrere Handlungsalternativen gibt, zu lösen. Andererseits kann sie genutzt werden, um vorgegebene Handlungsalternativen zu priorisieren.

 

Schritt 3: Entscheidungsalternativen auswählen

Unabhängig davon, ob die Nutzwertanalyse zur Auswahl oder zur Priorisierung von Handlungsalternativen eingesetzt wird, müssen die möglichen Entscheidungsalternativen festgelegt werden. Dabei ist es wichtig sich die Zeit zu nehmen, um alle relevanten Alternativen zu evaluieren.

 

Schritt 4: Entscheidungskriterien definieren

Im vierten Schritt werden Entscheidungskriterien festgelegt, anhand der die einzelnen Handlungsalternativen bewertet werden. Es sind somit jene Aspekte zu identifizieren, welche für die Entscheidungsfindung von Bedeutung sind. Das Ergebnis dieses Schrittes ist ein Kriterienkatalog, der das Entscheidungsproblem umfassend beschreibt. Dabei sind in der Regel 10 bis 20 Kriterien ausreichend, um das Problem ausreichend zu fragmentieren und darzustellen. Die Kriterien sollten dabei wie folgt sein:

  • vollständig (Kriterien müssen in Summe das Problem vollständig beschreiben),
  • bewertbar (Kriterien müssen von Teilnehmern bewertet werden können, alternativ wird die Bewertung der Kriterien nur von fachkundigen Teilnehmern vorgenommen und unkundige enthalten sich),
  • relevant (Kriterien müssen für die Bewertung der Handlungsalternativen von Bedeutung sein) und
  • reproduzierbar (Bewertungen der Kriterien müssen reproduzierbar sein, d.h. sie müssen unter anderen Umständen wie z.B. der Zeit gleich ausfallen)
    sein.

 

Schritt 5: Entscheidungskriterien gewichten

Nachdem alle relevanten Kriterien definiert wurden, müssen diese anhand ihrer Relevanz für die Entscheidung bewertet werden. Dies geschieht mithilfe einer Gewichtung der einzelnen Entscheidungskriterien. Das bedeutet, die Kriterien werden anhand von Punkten bewertet und darauf aufbauend wird die prozentuale Gewichtung der Kriterien berechnet. Dafür muss im ersten Schritt eine Punkteskala definiert werden, anhand derer die Kriterien bewertet werden sollen. Dabei kann es sich bspw. um das Schulnotensystem handeln, bei dem Noten von 1 (sehr wichtig) bis 6 (unwichtig) vergeben werden. Es können aber auch Skalen von 1 bis 10 oder 1 bis 100 gewählt werden. Werden die Schulnoten eingesetzt, bedarf es einem Zwischenschritt bei der Auswertung. Denn die hohe Relevanz eines Kriteriums wird durch eine niedrige Punktzahl dargestellt. Daher müssen die Noten zunächst in Punktwerte umgewandelt werden. Die Note 1 entspricht dann einem Punktwert von 6, die Note 2 dem Punktwert 5 usw. Die berechneten Punktwerte des Schulnotensystems oder die Punkte, welche auf einer Skala von 1 bis 10 oder 1 bis 100 vergeben wurden, werden in einem nächsten Schritt addiert. Die ermittelte Summe entspricht 100 %. Mithilfe eines Dreisatzes werden nun die Gewichte der einzelnen Kriterien berechnet. Ein Beispiel wie eine mögliche Gewichtung anhand einer Skala von 1 bis 100 aussehen könnte, kann der nachfolgenden Tabelle entnommen werden.

Kriterium Punkte Gewicht
Kriterium A 30 8%
Kriterium B 80 22%
Kriterium C 95 26%
Kriterium D 50 14%
Kriterium E 35 9%
Kriterium F 80 22%
Summe 370 100%

 

Schritt 6: Entscheidungskriterien bewerten

Um die Entscheidungskriterien für jede Handlungsalternative zu bewerten, muss (vom Moderator) eine geeignete Skala festgelegt werden. Auch hier sind bspw. wieder die Schulnotenskala oder die 10er-Skala denkbar. Im nächsten Schritt erfolgt die Bewertung der einzelnen Handlungsalternativen anhand der definierten Entscheidungskriterien mithilfe der festgelegten Punkteskala. Dabei wird durch das Vergeben von Punkten der Erfüllungsgrad des jeweiligen Kriteriums für die Handlungsalternative bewertet. Dies erfolgt Kriterium für Kriterium. Ein Beispiel wie das Ergebnis aussehen könnte, kann der nachfolgenden Tabelle entnommen werden.

Kriterium Alternative A Alternative B Alternative C
Kriterium A 2 8 4
Kriterium B 10 9 4
Kriterium C 8 6 1
Kriterium D 10 9 2
Kriterium E 9 8 2
Kriterium F 9 7 6

 

Schritt 7: Nutzwert berechnen

Die ermittelten Kriterienwerte aus Schritt 6 werden mit den Kriteriengewichten aus Schritt 5 multipliziert. Die Ergebnisse daraus stellen die sogenannten Kriterienpunktwerte dar. Bildet man nun die Summe aller Kriterienpunktwerte einer Handlungsalternative, ergibt sich der Nutzwert dieser Handlungsalternative (In der Tabelle als „Summe“ grau hinterlegt).

Kriterium Punkte Gewicht Alternative A Alternative B
Alternative C
Bewertung Punktewert Bewertung Punktewert Bewertung Punktewert
Kriterium A 30 8% 2 0,162 8 0,649 4 0,324
Kriterium B 80 22% 10 2,162 9 1,946 4 0,865
Kriterium C 95 26% 8 2,054 6 1,541 1 0,257
Kriterium D 50 14% 10 1,351 9 1,216 2 0,270
Kriterium E 35 9% 9 0,851 8 0,757 2 0,189
Kriterium F 80 22% 9 1,946 7 1,514 6 1,297
Summe 370 100% 8,527 7,622 3,203
Gesamtplatz 1 2 3

 

Haben mehrere Personen unabhängig voneinander die Nutzwertanalyse durchgeführt, gilt es im nächsten Schritt mithilfe des arithmetischen Mittels, den durchschnittlichen Nutzwert zu errechnen. Anhand des durchschnittlichen Nutzwertes kann ein Ranking der Handlungsalternativen erstellt werden. Ein mögliches Ergebnis der Nutzwertanalyse kann der nachfolgenden Tabelle entnommen werden.

Teilnehmer Nutzwert Alternative A Nutzwert Alternative B Nutzwert Alternative C
Person 1 8,527 7,622 3,203
Person 2 9,040 6,500 5,500
Person 3 9,070 7,211 5,352
Summe 26,637 21,333 14,055
Durchschnitt 8,879 7,111 4,685
Gesamtplatz 1 2 3

 

 

Fazit

Wie in diesem Blogbeitrag dargestellt, hilft die Nutzwertanalyse bei der Auswahl von Alternativen und unterstützt somit die Entscheidungsfindung. Denn mithilfe der definierten Entscheidungskriterien wird das Gesamtproblem fragmentiert und kann dadurch besser bewertet werden. Durch die Vergabe von Punkten ist es außerdem möglich Handlungsalternativen zu bewerten, die nicht nur anhand von konkreten Zahlen festgemacht werden können. Die Nutzwertanalyse bietet somit eine gute Möglichkeit komplexe Entscheidungen gemeinsam im Team zu treffen und das bestmögliche Ergebnis zu erhalten. Gerade in Projekten mit komplexen Problemen oder Teamentscheidungen, ist das ein probates Mittel und in nur sieben Schritten anwendbar.

 

Noch mehr Tipps und Best Practices zu Projektmanagement gibt’s hier: https://blog.doubleslash.de/category/software-technology/it-projektmanagement/

Hier gibt es Templates für die Nutzwertanalyse: http://www.meinevorlagen.com/projektmanagement/nutzwertanalyse/

Quellen:
http://www.meinevorlagen.com/projektmanagement/nutzwertanalyse/

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