Erfolgreiche Zusammenarbeit in Projekten mit Partnern aus China (Teil 2)

Zusammenarbeit in Projekten mit Partnern aus ChinaIn dieser Blogserie sprechen wir über unsere Erfahrungen mit chinesischen Projektpartnern, die wir durch mehrjährige Zusammenarbeit sammeln durften.  Teil 1 hat sich damit beschäftigt, warum China anders als der Rest der Welt ist und wie man mit diesen Unterschieden im Projektgeschäft umgeht. In diesem Beitrag werden die chinesische Technologiepolitik und die personalpolitischen Rahmenbedingungen unter die Lupe genommen.

Technische und organisatorische Rahmenbedingungen

Eine zusätzliche Herausforderung besteht durch die räumliche Distanz in der Zeitverschiebung – ein Faktor der, wie in anderen globalen Projekten, auch hier nicht zu vernachlässigen ist. Darüber hinaus sollte man sich im Klaren darüber sein, dass Sommer- und Winter-/Normalzeit ein überwiegend europäisches Phänomen sind und sich daher bei Umstellungen auch die Zeitverschiebung entsprechend ändern kann.

Aufgefallen ist in diesem Zusammenhang, dass aus asiatischen Ländern häufig Mails gefühlt „rund um die Uhr“ beantwortet werden. Viele Mitarbeiter scheinen „Tag und Nacht“ E-Mails zu checken und auch weit außerhalb der von uns als regulär eingeschätzten Arbeitszeiten zu reagieren. Ein Zustand, der hierzulande von vielen Unternehmen aktiv bekämpft wird, ist dort vielfach Normalzustand. Aktuell zu beobachten ist, dass die von der KP gesteuerte chinesische Gewerkschaft durchaus gegen eine mögliche Ausbeutung von Mitarbeitern vorzugehen scheint, wie aktuell am Beispiel Foxconn zu sehen ist [3].

Selbstverständlich liegen auch Feiertage anders als bei uns, wobei häufig Feiertage durch Samstags- oder Wochenend-Arbeit eingearbeitet werden. Der Samstag ist nicht zwingend ein freier Tag. Während beispielsweise der bei uns wichtigen Weihnachtszeit im fernen Osten kulturell bedingt keine besondere Bedeutung beigemessen wird, ist das chinesische Neujahrsfest von besonderem Stellenwert. Dadurch bedarf es besonderer Abstimmung und Kommunikation im Projektgeschäft in Hinblick auf Planungen und Auslastungen über den Jahreswechsel.

Chinesische Technologiepolitik

Die chinesische Technologiepolitik zielt seit Anfang der 1980er Jahre einerseits auf die Absorbierung ausländischer Technologien und andererseits auf die Förderung einer eigenständigen Technologieentwicklung ab. [4][5]

Die Bereitschaft ausländischer Unternehmen, Schlüsseltechnologien preiszugeben und nach China zu transferieren, variiert stark. Europäische Unternehmen zeigen hier wohl größere Bereitschaft als japanische und US-Unternehmen. Letztere sind durch strikte gesetzliche Vorschriften besonders beim Export von Dual-Use-Produkten zusätzlich eingeschränkt.

Je intensiver der Technologie-Transfer, umso eingehender müssen Risiken in den verschiedenen Stadien des Engagements bewertet und analysiert werden. Es gilt besonders auch Zulieferer, eventuell Kunden und auch Wettbewerber in die Maßnahmen des Schutzrechtsmanagements mit einbeziehen, um sich wirkungsvoll vor Produktpiraterie zu schützen.

Anders als beim WTO-Zusatzabkommen zur öffentlichen Beschaffung (Government Procurement Agreement), bei dem die Mitgliedschaft für die Länder eine klare Verpflichtung zur Einhaltung der Regeln bedeutet, gibt es kein entsprechendes Zusatzabkommen beim unfreiwilligen Technologietransfer im Zusammenhang mit ausländischen Direktinvestitionen.

Beispielhafte technologische Anforderungen an ausländische Unternehmen, abhängig von der Art der Projekte

  •  Automobil- oder Schienenfahrzeugbau: Unternehmen sind gezwungen, Gemeinschaftsunternehmen mit chinesischen Unternehmen einzugehen, welche dann zwangsläufig Einblick in die ausländischen Technologien erhalten
  • Öffentliche Aufträge / Ausschreibungen: Um sich an öffentlichen Ausschreibungen beteiligen zu können, müssen ausländische Unternehmen einen sehr hohen Grad an lokaler Fertigung – teilweise bis zu 80 Prozent – zusichern. Leistungen durch ausländische Tochterunternehmen in China werden häufig nicht als lokale Fertigung anerkannt. Stattdessen sollen die ausländischen Firmen mit einem chinesischen Generalunternehmer arbeiten, an den die Technologien komplett übertragen werden müssen.

 

Personalpolitische Rahmenbedingungen [6]

  • Was sind die wichtigsten Leitlinien für Arbeitsverträge in China?

Das Arbeitsrecht in China ist im Vergleich besonders zur europäischen Legislative sehr jung (2007/2008) und wurde besonders im Hinblick auf Arbeitsverträge erst vor wenigen Jahren grundlegend erneuert, um die Arbeitnehmer zu schützen.

Laut China Briefing ist eine wichtige Neuerung darin, dass mittlerweile ein schriftlicher Arbeitsvertrag gefordert wird. Wenn kein schriftlicher Vertrag existiert, fängt das Arbeitsverhältnis mit dem ersten Tag des Arbeitnehmers an seiner neuen Arbeitsstelle an.

Um den Druck auf die Arbeitgeber bezüglich einer Durchsetzung von Arbeitsverträgen zu erhöhen, gibt es eine Regelung, dass ein Arbeitgeber, der nach einem Monat noch keinen Arbeitsvertrag bei den Behörden eingereicht hat, dem Arbeitnehmer das doppelte Monatsgehalt bezahlen muss.

Ähnlich wie auch bei uns bekannt, erlaubt das neue Gesetz nur zwei aufeinander folgende Zeitverträge, eine Verlängerung muss dann unbefristet sein.

  • Was sind die gesetzlich vorgeschriebenen Ergänzungen und die besonderen Bedingungen eines Arbeitsentgeltes?

Ähnlich wie hierzulande ist es inzwischen auch in China gesetzlich vorgeschrieben, jedem Arbeitnehmer Sozialversicherung zu bezahlen. In vielen Städten kommen weitere Kostenfaktoren wie Wohnbauförderungsbeiträge hinzu. Das neue Sozialversicherungsgesetz (SIL) trat am 1. Juli 2011 in China in Kraft und sieht Beitragszahlungen für Ausländer vor, auch wenn es noch viele Fragen bei der Installation dieses Gesetzes zu klären sind.

Was die Überstundenbezahlungen betrifft, sieht das Arbeitsrecht im Falle von Arbeitszeitverlängerung vor, dass die Arbeitnehmer beispielsweise einen Minimalsatz von

  • 150 Prozent ihres Grundgehaltes für reguläre Arbeitstage
  • 200 Prozent ihres Grundgehaltes für Ruhetage
  • 300 Prozent ihres Grundgehaltes für gesetzliche Feiertage

bekommen sollen.

All diese Vorschriften sind Momentaufnahmen. Es ist in jedem Fall von großer Bedeutung, sich stets kurzfristig über aktuelle Gegebenheiten zu informieren, da besonders bei jungen Strukturen immer mit großer Dynamik zu rechnen ist.

Fazit

China ist ein Wachstumsmarkt, in dem Projekt-Zusammenarbeit nicht nur sehr erfolgreich, sondern auch extrem befruchtend sein kann. Dabei ist aber unbedingt auf die kulturellen Besonderheiten zu achten und einzugehen. Wenn man dies schon in frühen Phasen des Projektes beherzigt, können schnell und solide gute Resultate erzielt werden. Wird das versäumt, sind häufig Überraschungen und Hindernisse die Folge, die im schlimmsten Fall zu deutlichen Projektverzögerungen führen. Selbstverständlich erfordern andere rechtliche Rahmenbedingungen in allen Bereichen weitere Abstimmungen und Rücksichtnahmen, die nicht übergangen werden dürfen und deren Vernachlässigung zu essentiellen Risiken für Projekte werden kann.

 


Quellen

[3]  http://www.heise.de/mac-and-i/meldung/Chinesische-Gewerkschaft-Apple-Zulieferer-Foxconn-ueberlastet-Arbeiter-2540089.html

[4]  http://library.fes.de/pdf-files/stabsabteilung/06062.pdf

[5] http://www.awsg.at/

[6] http://www.china-briefing.com/news/2011/08/24/3701.html

 

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