IoT Geschäftsmodelle: Wie aus einem Ding ein Service wird

Internet of Things - Internet-of-Things_copyright_-bakhtiarzein_blogDas Internet der Dinge, kurz IoT, beschreibt die Vernetzung physikalischer Dinge mit dem Internet. Bei sehr vielen dieser Dinge war es bis vor einigen Jahren kaum vorstellbar, dass sie eines Tages Teil eines riesigen Netzwerks sein werden. Es wird davon ausgegangen, dass bis zum Jahre 2020 zwischen 20 und 100 Mrd. Dinge weltweit vernetzt sein werden. [1]

Die Zahl macht deutlich, was für ein riesiges Potential der gesamten IoT-Branche zugetraut wird. Spannend wird es zu beobachten, wie Firmen mit innovativen Produkten – ermöglicht durch völlig neue Geschäftsmodelle – ihren Anteil im Markt erreichen.

Geschäftsmodelle und das Internet

Neue technische Errungenschaften ermöglichen des Öfteren neue Geschäftsmodelle. So auch das Internet. Mittlerweile befinden wir uns in der dritten Evolutionsstufe des Internets [2]. Und mit jeder dieser Weiterentwicklungen entstanden neue Geschäftsmodelle.

Alles begann mit dem Web 1.0, welches den online Handel überhaupt erst ermöglicht hat. Bereits Mitte der 90er Jahre konnte Amazon einen zweistelligen Umsatz durch den Verkauf von Büchern vorweisen, ohne dafür nur eine einzige Filiale eröffnet zu haben [3]. Bis heute hat sich gezeigt, wie erfolgreich das Geschäftsmodell E-Commerce ist.

Weiter ging es Anfang der 2000er mit dem Web 2.0. Aus den früher ausschließlich konsumierenden Nutzern wurden plötzlich Kunden, die selbst Inhalte produzierten. Dadurch wurden sie zu so genannten Prosumern und damit zum Teil der Wertschöpfungskette.

Ein sehr bekanntes und erfolgreiches Beispiel, um mit Nutzergenerierten Content Geld zu verdienen, ist Facebook. Das kostenlose soziale Medium umfasst mittlerweile mehr als 1,5 Mrd. Nutzer, die die Plattform mit Leben füllen. Geld verdient Facebook nicht etwa durch einen Mitgliedsbeitrag, sondern mit Werbung. Ähnliche Beispiele sind YouTube und AirBnB. Auch hier wird lediglich eine Plattform bereitgestellt.

Derzeit befinden wir uns im Zeitalter des Web 3.0 und haben es mit der Verschmelzung physikalischer Güter mit dem Internet zu tun. Dem Internet der Dinge. Durch den Hybrid dieser zweier bisher getrennten Welten eröffnet sich abermals ein riesiges Potential für neue Geschäftsmodelle. (Info: Teilweise wird unter Web 3.0 auch das semantische Web verstanden und IoT dem Web 4.0 zugeordnet [4])

IoT Geschäftsmodelle: Digitale Produkte und Services durch Sensordaten

Grundsätzlich kann IoT grob in zwei Geschäftsmodellgruppen aufgeteilt werden: „Digitally charged products“ und „Sensor as a service“ [2]

Digitally charged products

Digitally charged products beschreibt die Idee, einen physikalischen Gegenstand an das Internet anzubinden und dadurch einen Mehrwert in Form eines digitalen Services zu generieren. Hierdurch wird es möglich, den bisherigen, lokal erlebbaren Nutzen eines Dinges um einen neuen, digitalen zu erweitern.

Flesch, Weinberger und Wortmann fassen dies in ihrer Publikation „Business Models and the Internet of Things“ [2] zu dem Thema mit Folgender Formel zusammen:

Abbildung in Anlehnung an das Whitepaper „Business Models and the Internet of Things“ [2]
Abbildung in Anlehnung an das Whitepaper „Business Models and the Internet of Things“ [2]
Ein „Thing“ beschränkt sich nach Verkauf also nicht nur noch auf seine physikalische Grundfunktion, sondern kann um beliebig viele und komplexe Services erweitert werden.

Die Realisierung eines IoT Produktes kann dabei auf fünf Schichten (Layer) heruntergebrochen werden. Die erste Schicht beschreibt das physikalische Ding. Es stellt dem Kunden den lokal erlebbaren Nutzen zur Verfügung. Die zweite Schicht beschreibt angebrachte Sensoren. Diese ermöglichen es, interessante und relevante Eigenschaften/Zustände innerhalb oder rund herum um das Produkt zu erfassen. Mit Hilfe von Konnektivität, der dritten Schicht, gelangen die Daten in das Internet. Dort können sie gesammelt und ausgewertet werden. Grundsätzlich können Daten in beide Richtungen übertragen werden. Die darauf folgende Datenanalyse ist Teil von Schicht vier und muss dabei nicht zwingend durch den Hersteller des eigentlichen Produktes erfolgen.

Schlussendlich kann auf die vier Schichten der digitale Service aufgesetzt werden (Schicht 5). Dieser Erfüllt dem Kunden einen weiteren Nutzen, z.B. ein Pay per Use Modell.

Wertschöpfungsstufen im Internet der Dinge. Anlehnung an das Whitepaper „Business Models and the Internet of Things“ [2]
Wertschöpfungsstufen im Internet der Dinge. Anlehnung an das Whitepaper „Business Models and the Internet of Things“ [2]
Ein aktuelles Beispiel stellt HP’s Service „HP instant ink“ dar [5]. Ein Service, der es ermöglicht, „pro gedruckter Seite“ zu bezahlen und der dafür sorgt, dass automatisch neue Tinte ins Haus geliefert wird, bevor die aktuelle Patrone zu Neige geht. Hier sind alle fünf Schichten eines digitally charged products vertreten.

Das eigentliche Produkt, den Drucker, gibt es schon seit Jahrzenten. Er druckt. Ausgestattet mit Sensoren ist er in der Lage, festzustellen wie viele Seiten gedruckt werden und wie es um den aktuellen Füllstand die Tinte steht.

Um diese Daten ins Internet zu übertragen besitzt der Drucker einen Netzwerkanschluss.

Die so gesammelten Daten werden von HP entsprechend ausgewertet, um einerseits die gedruckten Seiten in Rechnung zu stellen und andererseits automatisiert und kostenlos neue Patronen an den Kunden zu senden, sobald dies notwendig ist. Kosten für den Kunden entstehen lediglich durch die Anzahl der gedruckten Seiten und nicht auf Basis der verbrauchten Tinte.

Durch das Internet der Dinge wird ein einfacher Drucker plötzlich zum persönlichen Copy-Shop für zu Hause.

Sensor as a Service

Ein weiteres IoT-Geschäftsmodell ist „Sensor as a Service“. Hierbei wird nicht ein bestimmtes Produkt um einen digitalen Service erweitert, sondern es wird auf Basis von Sensordaten ein neuer Service generiert. Es wird ausschließlich mit den gesammelten Daten der Sensoren ein Mehrwert erzeugt.

Bosch stattet beispielsweise Parklätze mit Sensoren aus, so dass Privatpersonen mit Hilfe einer App zu freien Parkplätzen gelotst werden, und sich so die mühevolle und nervenaufreibende Suche sparen [6]. In diesem Fall ist der Sensor nicht wie bei digitally charged services Eigentum des Kunden, sondern der des Service-Anbieters.

Fazit

Die beiden oben genannten Beispiele bilden nur einen kleinen Auszug aus der bereits unglaublich vielfältigen IoT-Welt ab. Egal ob Zahnbürsten, Uhren, Kleidung, Motorradhelme, Kontaktlinsenkönnen oder Küchen – alles wird bereits vernetzt. [7] So entwickeln sich Produkte, die weit mehr an Bedarfen decken, als der für den sie einst als rein physikalisches Ding konzipiert wurden. Hier ist noch lange kein Ende in Sicht, vielmehr befinden wir uns noch ganz am Anfang. Wir können also gespannt sein, was uns in den nächsten Monaten und Jahren an neuartigen Produkten, Services und Geschäftsmodellen, die durch IoT ermöglicht werden, über den Weg laufen wird.


[Quellen] [1] https://www.gov.uk/government/uploads/system/uploads/attachment_data/file/409774/14-1230-internet-of-things-review.pdf
[2] http://www.iot-lab.ch/wp-content/uploads/2014/11/EN_Bosch-Lab-White-Paper-GM-im-IOT-1_3.pdf
[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Amazon.com
[4] https://ub.hsu-hh.de/
[5] https://instantink.hpconnected.com/de
[6] https://www.engadget.com/de/2015/09/29/bosch-entwickelt-parkplatzsensor-fur-entspanntere-shopping-samst/?guccounter=1
[7] http://de.slideshare.net/WHYownit/internet-of-things-die-20-spannendsten-produkte-45901691

 

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