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Ist Improvisationstalent die wichtigste Kompetenz im Projektmanagement?

12.11.2015

Fotolia_73409684_M„Komplexe Systeme folgen keinem Masterplan“, erkannte Vince Ebert, Physiker und Kabarettist auf dem PM Forum 2015. Der größte deutsche Kongress für Projektmanager fand am 27. und 28. Oktober in Nürnberg statt. Er beschäftigte sich unter anderem mit der Frage, wie ein Projektmanager im komplexen Projektumfeld mit dem Zufall außerhalb des Risikoplans umgehen kann.

Wenn unvorhergesehene Ereignisse alle Pläne zu Nichte machen ist die Kunst der Improvisation gefordert. Das ist eine Binsenweisheit und klingt zunächst sehr hemdsärmelig. Wo bleibt da die Methode, die Struktur, die Transparenz schafft und für den Projekterfolg sorgt? Auf dem PM Forum 2015 wurde hier mit einem Missverständnis aufgeräumt. Improvisation folgt durchaus einer übergeordneten Struktur, nimmt sie auf, variiert sie und schafft dadurch Neues. Fritz Böhle, Professor für Sozialökonomie in der Arbeits- und Berufswelt, bewies das eindrücklich am Piano. Er zeigte auf, wie in der Jazzmusik mit Melodie und Harmonien gespielt wird.

Die Musiker einer Jazzband sind zusammen ein komplexes System. Keiner weiß vorher, welchen Ton des anderen es aufzunehmen gilt. Er ist unvorhersehbar. Beim Free-Jazz scheint dann vollständig der Zufall zu regieren und ob ein Ton gut ist, entscheidet erst der nächste Ton. Dennoch verwenden bei der Improvisation eines Musikstücks alle Musiker die Harmonien als übergeordnete Struktur. Improvisation im Jazz erfordert hohes handwerkliches Können und künstlerisches Verständnis der Musiker.

Improvisieren und die Projektziele immer fest im Griff behalten

Wenn also ein Projektmanager improvisiert, folgt er ebenfalls den grundsätzlichen Strukturen des Projektmanagements, wandelt Pläne ab, verzichtet auch mal auf Pläne, wenn schnelle Entscheidungen notwendig werden, nur um dann den Faden wieder aufzunehmen. Improvisation im Projektmanagement braucht hohes handwerkliche Können, aber auch das Vertrauen in die eigene Bauchentscheidung. Ein guter Projektmanager wird situativ unterschiedliche Methoden der Führung und der Arbeitsorganisation des Teams anwenden. Auf jeden Fall wird ein guter Projektmanager versuchen, sein Projekt robust gegen unvorhergesehene Ereignisse zu machen. In IT Projekten gehören die Wahl eines iterativen Vorgehens und die Förderung von Selbstorganisation im Team zu den übergeordneten Strukturen für eine gute Improvisation. Improvisation ist also durchaus eine wesentliche Projektmanagement-Kompetenz, ohne die klassischen Sozial- und Methodenkompetenzen, aber nicht ausreichend.

Liegt Vince Ebert also falsch und komplexe Systeme folgen doch einem Masterplan? Nicht wenn es um die Vorhersage des nächsten Zustands geht. Die übergeordneten Naturgesetze werden aber auch von komplexen Systemen nicht außer Kraft gesetzt. Zum Improvisationstalent des Projektmanagers gehört es nun, die Projektziele auf übergeordneter Ebene zu verfolgen. Im Detail dürfen unvorhergesehene Ereignisse nicht als Bedrohung gesehen werden, sondern als ein Ton, auf den mit einem anderen Ton reagiert wird. Ob der vorherige Ton für das Projekt gut war, entscheidet erst der nächste.

 

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