Mal über den Tellerrand geschaut: Was können Softwareprojekte von sozialen Projekten lernen?

Am kommenden Samstag startet in Friedrichshafen wieder das Entenrennen auf dem Seehasenfest. Ein soziales Projekt, das auch von doubleSlash wieder als Hauptsponsor unterstützt wird und über das seit über zwölf Jahren jährlich 20.000 Euro Spendengelder für bedürftige Familien in der Region eingesammelt werden. Eine Erfolgsgeschichte, von der auch Softwareprojekte lernen können? Schauen wir uns die Erfolgsfaktoren einmal genauer an.

Die Projektvision

Das Projekt begann mit der irrwitzigen Idee, 5000 gelbe Gummienten auf einem See, also ohne Strömung, in ein Ziel schwimmen zu lassen. Durch den Verkauf von „Entenlosen“ wollte der Lions Club Friedrichshafen bedürftigen Familien in der Region helfen, die sonst durch die Raster des Sozialstaates fallen. Ein Ziel, dass den Seehasenfestausschuss, die freiwillige Feuerwehr, den THW, die Firmen und Einzelhändler der Region und die Bürger so sehr begeistert hat, dass bereits im ersten Jahr alle Lose verkauft und die volle Summe von 20.000 Euro ausgeschüttet werden konnte. Damit wären wir bei dem ersten Erfolgsfaktor, für ein soziales Projekt: Eine starke Projektvision.

Das erste Rennen – Noch klein, aber es funktioniert

Das Projekt fing natürlich nicht gleich perfekt an, sondern mit einem ersten MVP (Minimum Viable Product). Übersetzt heißt das: eine kleine Version des Rennens, die funktions- und überlebensfähig ist. Die technischen Hürden um Strömung zu erzeugen, die Reihenfolge der einschwimmenden Enten zu registrieren, die Informationen zum Rennen an die Zuschauer zu vermitteln. All das wollte noch mit hohem manuellem Aufwand gemeistert werden. Die Enten waren von einem anderen Club entliehen und wurden am Renntag per Hand aus ihren Säcken gewassert und nach dem Zieleinlauf mit Körben aus dem Wasser gefischt. Das Rennen fand pünktlich statt. Die Enten wurden korrekt registriert. Die Inhaber der Gewinnerlose konnten sich über ihre Preise freuen. Der zweite Erfolgsfaktor für das soziale Projekt ist gefunden: Eine erste Version (ein MVP), die den erhofften Nutzen bereits bringt.

Sukzessive Weiterentwicklung mit vielen engagierten Beteiligten

Nach dem Rennen ist vor dem Rennen. In einer Retrospektive wurde aus Fehlern gelernt und Verbesserungspotenzial zur Skalierung identifiziert. Bei aller Liebe zur Automatisierung bestimmter Abläufe war immer klar: Das darf die Ausschüttung an die Familien nicht schmälern. D.h. alles was Rennen für Rennen investiert werden musste,  brauchte einen Sponsor. Die Preise, eigene Enten für Friedrichshafen, Chips für die Enten zum automatischen Auslesen am Ziel, ein Zieleinlauffloß mit Registrierungssensoren und dieses Jahr erstmals ein Startfloß aus Pontons. All das wäre ohne die Sponsoren und freiwilligen Helfer nicht möglich gewesen, die es zu finden und zu motivieren galt. Der dritte Erfolgsfaktor heißt also: Intensives Stakeholdermanagement.

Alle machen mit

Ein soziales Projekt dieser Größenordnung lässt sich nur umsetzen, wenn alle an einem Strang ziehen. Dazu gehört der „Product Owner“, der die Idee ins Leben gerufen hat und seit zwölf Jahren weiterentwickelt. Ebenso wichtig ist das Kernprojektteam, das sich um Planung,  Akquise der Preise, Vorbereitung der Lose, Umsetzung organisatorischer und technischer Anpassungen, Verkauf der Lose, sowie die technisch organisatorische Umsetzung des Rennens und der Preisverteilung kümmert. Dazu kommen Seehasenfestausschuss, freiwillige Feuerwehr und THW, ohne die die Organisation unmöglich wäre. Die Sponsoren von Preisen und notwendigen Investitionen. Die ehrenamtlichen Helfer und Einzelhändler, die die Lose verkaufen. Und nicht zuletzt die vielen engagierten Bürger, die jedes Jahr ihre Lose kaufen. All diese Menschen zusammen machen den Erfolg des Sozialprojektes aus. Damit wären wir bei dem vierten und vielleicht wichtigsten Erfolgsfaktor für Projekte: ein starkes Commitment aller Beteiligten.

Erfolgsfaktoren für Softwareprojekte

In Softwareprojekten sind zunehmend agile Vorgehensweisen die Arbeitsmodelle der Wahl. Man verspricht sich durch ein iteratives Vorgehen eine Verringerung der Projektrisiken. Häufig wird Scrum mit seinem einfachen und gut durchstrukturierten Rahmenwerk aus Rollen, Meetings und Artefakten als Basis verwendet. Inzwischen gibt es viele Projektmanagement Tools auf dem Markt, die ein solches agiles Vorgehen unterstützen. Trotzdem – oder vielleicht gerade deswegen – beobachten wir immer wieder, dass gerade in großen Projekten ein paar wichtige Bausteine für erfolgreiche Softwareprojekte wieder mehr in den Hintergrund geraten:

  • Das Einschwören des Teams auf eine gemeinsame Produktvision.
  • Der unbedingte Wille aller Beteiligten, den Nutzen jeder Iteration zu erreichen.
  • Transparenz und intensives Einbeziehen der Stakeholder außerhalb des Kernteams.
  • Die Zentrierung auf die Interaktion der Menschen im Projekt.

Mein Fazit:

Es lohnt sich als Kunde, Projektmanager oder Sponsor eines Softwareprojektes mal über den Tellerrand zu schauen und sich wieder auf vernachlässigte Werte zu besinnen. Und wenn im Projekt alles so läuft wie es soll, muss man das nicht als selbstverständlich nehmen und darf den Erfolg auch mal feiern.

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