Oracle JDK im Unternehmenseinsatz?

Wie Stefan Waldmann in seinen Blogpost „Java 11 ist erschienen“ schon kurz angeschnitten hat, herrscht zurzeit Verwirrung darüber, was den zukünftigen Einsatz von Java anbelangt. So steht z.B. oftmals die Frage im Raum, ob Java weiterhin kostenfrei bleibt. Einfach gesagt: Java bleibt kostenlos, aber nicht so wie bisher. Was sich genau ändert und welche Optionen sich daraus für Unternehmen ergeben, habe ich in diesem Beitrag zusammengefasst.

Java: Die Änderungen auf einen Blick

Der neue Release Zyklus

Bisher wurde eine neue Java Version veröffentlicht, sobald die vorgesehenen Features fertiggestellt waren. Nun (ab Java 10) folgen die Releases einem strikten Zeitplan. Dieser besagt, dass alle sechs Monate eine neue Java Version veröffentlicht wird. Enthalten sind dann eben die Features, die bis dahin fertig sind. Alle anderen werden in die nächste Version verschoben.
Alle drei Jahre wird eine sogenannte Long-Term-Support (LTS) Version veröffentlicht. Dabei handelt es sich um ein normales Release einer Java Version, die allerdings über einen langen Zeitraum mit Updates in Form von Security Patches und Bug Fixes versorgt wird. Alle anderen, nicht LTS-Versionen, erhalten nur die ersten sechs Monate Updates. [1]
Achtung, die Veröffentlichung einer LTS-Version bedeutet NICHT, dass es dafür kostenfreie Updates von Oracle geben wird!

Keine kostenlosen Updates für Oracle Java 8

Oracle wird nach Januar 2019 keine kostenlosen Updates für das JDK 8 in kommerzieller Nutzung bereitstellen. Das bedeutet, wenn Sie in Ihrem Unternehmen Software auf Oracle JDK 8 betreiben, können Sie das nach wie vor tun. Allerdings sollte Ihnen bewusst sein, dass Sie ab Januar 2019 weder Security Patches noch Bug Fixes erhalten werden, was Ihre Software möglicherweise angreifbar macht. [2]

Lizenzänderung ab Oracle JDK 11

Oracle veröffentlicht das JDK 11 und folgende nicht mehr unter der Oracle Binary Code License (BCL), sondern verfolgt nun ein anderes Lizenzmodell. Oracle stellt zwei JDKs zur Verfügung, die funktional identisch sind, sich aber in der Lizenz unterscheiden. So stehen die Oracle OpenJDK Build’s unter der GPLv2 + CPE Lizenz, während für das Oracle JDK nun ein Vertrag mit Oracle geschlossen werden muss, wenn es in einer Produktivumgebung eingesetzt wird. Für Entwicklung, Test und zu Demonstrationszwecken kann das Oracle JKD weiterhin benutzt werden. [3]

Welche Optionen bieten sich nun für den Einsatz von Java im Unternehmen?

Trotzdem kostenfreies und sicheres Java von Oracle?

Trotz dieser Änderungen ist es dennoch möglich mit den Oracle OpenJDK Build‘s ein kostenloses JDK von Oracle zu bekommen, das auf Produktionsumgebungen eingesetzt werden darf und gleichzeitig Updates erhält. Allerdings muss alle sechs Monate (!) auf die neue Java Version migriert werden, um weiterhin Updates zu erhalten. Ob dieser Aufwand eingegangen wird, muss gut überlegt werden, denn auch bei der Kompatibilität zwischen den Java-Versionen kann es Probleme geben. [4]

Bleibt Java weiterhin stabil?

Bei der Migration von Java 6 auf 7 und 8 gab es meist kaum Probleme. Das hat sich zunehmend geändert und wird scheinbar auch erst einmal so bleiben. Oracle hat und wird auch in Zukunft weiter Features, die als deprecated markiert waren, aus dem JDK entfernen. Weiter ist es auch möglich, dass Features, die nur eine Java-Version lang (sechs Monate) deprecated waren, in der nächsten Version entfernt werden. Ein Upgrade auf eine neue Java Version wird in den meisten Fällen nicht ohne Anpassungen der Anwendung funktionieren. Stabilität wird es also nur geben, wenn man über längere Zeit auf einer Java-Version bleiben kann.

Alternative OpenJDK?

Das OpenJDK als freie Referenzimplementierung der Java Se Spezifikation scheint hier eine Alternative zum Oracle JDK zu sein. Aber auch hier gibt es eine Vielzahl von Optionen, die bedacht werden müssen.
Zunächst einmal gibt es verschiedene Anbieter, die aus dem Source Code des OpenJDK Projekt einen Build erstellen und diesen zum Download anbieten. Hier gilt es zu beachten, welcher Anbieter einen Build für die benötigte Plattform bereitstellt und ob der Build der Java SE Spezifikation entspricht und somit den TCK-Test bestanden hat.
Ebenso stellt sich die Frage, wer für das OpenJDK Updates in Form von Security Patches und Bug Fixes zur Verfügung stellt und für welchen Zeitraum diese bereitgestellt werden. Hier haben bereits einige Organisationen Absichten geäußert Updates, die meist für eigene kommerzielle JDK Versionen geschrieben werden, auch in das OpenJDK zu portieren. Auch über den Zeitraum gibt es bereits Pläne. So soll das OpenJDK 8 noch bis 2023 unterstützt werden.
Ein weiterer Punkt, der oftmals vergessen wird, sind Drittanbieter Java-Anwendungen, die auf eigenen Servern betrieben werden. Hier wird vom Hersteller oft das Oracle JDK vorausgesetzt. In diesen Fällen lohnt sich ein Blick in die Systemvoraussetzungen.

Fazit

Java bleibt kostenlos, allerdings gibt es nun einige Hürden für Unternehmen. Der neue Release Zyklus und die Lizenzänderung setzt die meisten Unternehmen und insbesondere diejenigen, die eine Vielzahl von unterschiedlichen Java-Anwendungen betreiben unter Zugzwang. Im Grunde stehen folgende Optionen zur Auswahl, die je nach Unternehmenssituation anders beurteilt werden müssen:

  1. Kauf von kommerziellem Support bei Oracle, Azul oder einem anderen Anbieter
  2. Oracle OpenJDK Build’s nutzen und alle sechs Monate auf eine neue Java-Version migrieren
  3. Umstieg auf OpenJDK ohne 100 prozentige Garantie auf Updates

 

Es wird also Zeit für eine Migrationsstrategie. Es lohnt sich, alle Optionen zu prüfen und die Migrationsstrategie sorgfältig zu planen. Wir unterstützen Sie hier gerne, wenn es um den Einsatz von Java in Ihrem Unternehmen geht.


[1] https://blogs.oracle.com/java-platform-group/update-and-faq-on-the-java-se-release-cadence
[2] https://blogs.oracle.com/java-platform-group/end-of-public-updates-is-a-process%2c-not-an-event
[3] https://www.oracle.com/technetwork/java/javase/eol-135779.html
[4] https://blogs.oracle.com/java-platform-group/oracle-jdk-releases-for-java-11-and-later
[5] https://docs.google.com/document/d/1nFGazvrCvHMZJgFstlbzoHjpAVwv5DEdnaBr_5pKuHo/preview

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