Playing Lean Startup – ein Selbstversuch

Playing Lean Startup - Timo DemlerUnternehmen, die neue Produkte oder Dienstleistungen anbieten, stehen immer vor der Herausforderung der Marktanalyse. Gibt es überhaupt einen Markt für mein Produkt oder meine Leistung? Adressiert das Produkt oder die Leistung einen wirklich relevanten Kundennutzen? Mittlerweile gibt es Methoden wie Lean Startup [1], die Unternehmen dabei helfen, kritische Annahmen in Bezug auf das Kundensegment und deren Bedarfe zu validieren und somit auch das Risiko des Scheiterns zu minimieren. Wir von doubleSlash haben uns im Rahmen eines internen Workshops spielerisch mit der Methode auseinandergesetzt – mit dem Brettspiel „Playing Lean“ [2].

Was ist Lean Startup?

Der Lean Startup-Ansatz [3] ist eine Methodik zur Entwicklung von neuen Produkten und Dienstleistungen. Immer wieder werden aufgrund von falschen Annahmen gegenüber dem Kundensegment und deren Bedarfe, Produkte und Dienstleistungen entwickelt, die dann auf dem Markt scheitern. Dieses Problem versucht Lean Startup zu vermeiden, indem in kurzen und iterativen (Build- Measure- Learn) Zyklen die kritischsten Hypothesen bezüglich des Kundensegments anhand von Experimenten und Tests validiert werden müssen, bevor die Produktidee umgesetzt werden kann. Damit soll die Wahrscheinlichkeit des Scheiterns auf dem Markt beim Launch und die damit verbundenen Risiken, wie vor allem die unnötige Geld- und Ressourcenverschwendung minimiert werden.

Playing Lean – spielerische Annäherung an Lean Startup

„Playing Lean“ ist ein Brettspiel, das mit bis zu vier Teams gespielt werden kann. Auf dem zentralen Spielbrett befinden sich sogenannte Kundenkarten, die Hinweise auf Kundenbedarfe geben und von den Teams erspielt werden müssen. Neben dem Spielbrett befinden sich Ereigniskarten, die unterschiedliche Experimente aus dem Lean Startup Umfeld beschreiben. Die Kunden- und Experimentkarten liegen in vier verschiedenen Farben vor, die jeweils ein Kundensegment repräsentieren. Hierbei gilt es, nacheinander mindestens einen Repräsentanten der Kundengruppen, bestehend aus „Individuals“ (grün), „Innovators“ (gelb), „Early-Adopters“ (orange) und „Early-Majority“ [4] (rot), für sich zu gewinnen. Zusätzlich zum zentralen Spielfeld erhält jedes Team ein eigenes Firmenbrett, auf dem die Prozesse wie die Produktentwicklung, die Durchführung von Experimenten, der Verkauf oder die interne Firmenentwicklung angesteuert werden können.

Ziel des Spiels „Playing Lean“ ist es, im Team als eines von vier imaginären Startups aus der Social Media Branche aufzutreten und als erster ein neues Produkt auf den Markt, sprich an die Kundengruppe „Early Majority“, zu bringen. Damit dies möglichst schnell und erfolgreich erreicht werden kann, müssen Experimente und Tests durchgeführt werden, um vorab Kundebedarfe zu identifizieren. Das Spiel bietet dafür verschiedene Ereigniskarten, die solche Experimente aus dem Lean Startup Umfeld beschreiben und näher bringen. Dies sind zum Beispiel Problem und Solution Interviews, der Test eines „Minimum Viable Product“ [5] oder die Identifizierung eines „Engine of Growth“ [6]. Je besser man die Kundebedarfe identifiziert hat, desto genauer kann in die Herstellung der gewünschten Produktfeatures investiert werden, um im Anschluss das Produkt erfolgreich zu verkaufen.

Playing Lean Startup - Tisch - Timo Demler

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Playing Lean im Selbstversuch

Nach einer kurzen Einführung in die Thematik und in die Spielregeln von „Playing Lean“ waren die Kollegen startklar. In den ersten Runden entschieden sich einige Teams bevorzugt dafür, Experimente aus dem Lean Startup Umfeld im Markt durchzuführen, um erst einmal die Bedarfe des Marktes zu identifizieren und dann auf Grundlage ihrer gewonnenen Kunden-Insights ihr Produkt herzustellen. Mit zunehmendem Know-how bezüglich der Kundenbedarfe, konnten die Teams ihr Produkt gezielt für die verschiedenen Kundengruppen entwickeln und ihr Produkt erfolgreich im Markt absetzen. Andere Teams entschieden sich schon von Anfang an dafür, auch in die interne Firmenentwicklung, wie zum Beispiel in das Marketing oder in die technologischen Fähigkeiten zu investieren. Mit zunehmendem Spielverlauf zahlte sich diese Strategie immer mehr aus, da durch diese Investitionen zum Beispiel die Kosten für Experimente oder für den Verkauf verringert werden konnten.

Lediglich einmal scheiterte ein Verkaufsversuch eines Teams, aber nur aufgrund der Tatsache, dass das Team kurzzeitig die Orientierung auf dem Spielbrett verlor und an einen Kunden verkaufen wollte, dessen Bedarfe es nicht kannte. Dies zeigte aber auch zugleich, warum es laut dem Lean Startup-Ansatz so wichtig ist, die Kundenbedarfe schon im Voraus zu kennen und seine Hypothesen gegenüber den Kundenbedarfen stets zu validieren.

Fazit

„Playing Lean“ fand bei allen Kollegen großen Anklang, da es sich nicht wie ein erzwungenes Lernspiel, sondern mehr wie ein echtes Brettspiel anfühlte. Bei allen Teams wurde von Anfang an der Spielgeist geweckt und jeder einzelne war sofort mit viel Ehrgeiz bei der Sache. „Playing Lean“ greift die Grundprinzipien der Lean Startup Methodik gut auf und ist auch auf reale Situationen gut ableitbar. Nach der ersten Runde, in der noch viele Unklarheiten beseitigt und geklärt werden mussten, verlief das Spiel problemlos und die Teams konnten sich voll und ganz auf ihre Strategie konzentrieren.

Eine Herausforderung des Spiels war es, den Lerneffekt sowie den Fokus bei den Experimenten (repräsentiert durch Ereigniskarten) stets hochzuhalten, da der Verlauf des Experiments nicht durch das Team selbst beeinflussbar war, sondern vom Spiel selbst vorgegeben wurde. Dies bietet keine großen Anreize, die Aufmerksamkeit darauf zu richten. Hinzu kommt, dass das Spiel komplett auf Englisch ist. Dabei wäre es vor allem bei Fachbegriffen leichter, diese in Deutsch zu beschreiben.  Alles in allem ist „Playing Lean“ aber ein in sich stimmiges Spiel, das es versteht, die Grundprinzipien der Methode spielerisch zu vermitteln.

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Quellen:

[1] http://theleanstartup.com/principles

[2] http://www.playinglean.com/

[3] https://de.wikipedia.org/wiki/Startup-Unternehmen#Lean_Startup

[4] https://en.wikipedia.org/wiki/Technology_adoption_life_cycle

[5] http://www.startplatz.de/startup-wiki/mvp/

[6] http://larslofgren.com/marketingbasics/the-three-engines-of-growth-with-eric-ries

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