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Schritt für Schritt zum digitalen Unternehmen

01.03.2021

In den letzten Monaten konnte sich jedes Unternehmen glücklich schätzen, dessen Prozesse soweit digitalisiert sind, dass sie auch aus dem Home-Office heraus funktionierten.

Ebenso kamen Unternehmen, deren digitale Produkte keine physische Produktion oder Verkauf benötigen, bisher besser durch die Krise als ihre nichtdigitalen Mitbewerber.

Diese Situation hat das Thema Digitalisierung noch stärker in den Mittelpunkt gerückt. In diesem Beitrag möchte ich betrachten, was es genau bedeutet, ein Unternehmen zum „digitalen Unternehmen“ hin zu entwickeln und worin die Erfolgsfaktoren liegen.

Was unterscheidet ein digitales Unternehmen von einem nicht digitalen Unternehmen?

Wenig überraschend gibt es hier kein schwarz und weiß, sondern verschiedene Abstufungen des Digitalisierungsgrades. Sehr anschaulich dargestellt hat Konrad Krafft diese Stufen in seinem Artikel „Wie das vollständig digitale Unternehmen arbeitet“.

Stufen der Digitalisierung
Abbildung 1: Die Stufen des digitalen Unternehmens, Quelle: eigene Darstellung

Es wird ersichtlich, dass sich die Digitalisierung vor allem am Digitalisierungsgrad der inneren Strukturen eines Unternehmens misst – unabhängig von den Produkten oder Leistungen, die es anbietet. Erfahrungsgemäß besteht aber ein Zusammenhang zwischen der Digitalisierung des eigenen Unternehmens und dem Digitalisierungsgrad der Produktpalette. Denn mit der Digitalisierung werden Datenkompetenzen aufgebaut, die auch die Entwicklung von digitalen Produkten ermöglichen. So erfordert zum Beispiel die Entwicklung von Predictive Maintenance Services ein hohes Maß an Kompetenz in der Datenintegration, Datentransformation, Analyse und Prädiktion. Ein digitalisiertes Unternehmen erweist sich also in zweierlei Hinsicht als vorteilhaft: es kann neuartige Produkte auf den Markt bringen und diese auch noch kosteneffizienter herstellen.

Und was bedeutet nun Digitalisierung?

Digitalisierung ist nicht die Herbeiführung eines digitalisierten Zustandes ausgehend von einem nichtdigitalisierten Zustand, sondern die Aufwärtsbewegung auf der Skala der Digitalisierungsstufen.

Das Wichtigste vorneweg: die Digitalisierung eines Unternehmens ist kein Technologieprojekt und es ist vor allem nicht ausschließlich „Sache der IT“. Digitalisierung ist eine Veränderung des gesamten Unternehmens, das aus Menschen, Prozessen und Technologie besteht. Zweifellos nimmt die Technologie eine Schlüsselposition ein. Wenn Menschen und Prozesse aber nicht die treibende Kraft sind, ist das Vorhaben von vornherein zum Scheitern verurteilt.

Was muss eine Unternehmensführung also alles berücksichtigen, wenn sie den Kurs der Digitalisierung einschlägt?

Schritt 1: Warum möchte ich mein Unternehmen digitalisieren?

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass die Erwartungen an eine Digitalisierung zwischen verschiedenen Unternehmen und Branchen sehr deutlich auseinanderzugehen scheinen. Ebenso unterschiedlich sind die Vorbehalte gegenüber der Digitalisierung. Ein einheitliches Verständnis gibt es nicht.

Daher muss ich mir selbst darüber klar werden, welches Ziel ich mit der Digitalisierung verfolge. Erhoffe ich mir davon einfach betriebswirtschaftliche Verbesserungen wie höheren Umsatz oder niedrigere Kosten? Oder gehe ich davon aus, dass so das Produktportfolio aufgefrischt wird und den Wettbewerb abhängt? Ermöglicht mir die Digitalisierung komplett neue Geschäftsmodelle und macht mich krisensicher? Oder möchte ich gar ein besseres Leben für die Mitarbeiter und das Umfeld ermöglichen? Ohne eine klare Vorstellung davon, was ich erreichen möchte, wird ein Digitalisierungsvorhaben immer schwammig bleiben und mit Akzeptanzproblemen und Widerständen zu kämpfen haben. Es empfiehlt sich also, das eigene Ziel klar festzuhalten und im Unternehmen zu kommunizieren.

Schritt 2: Wo stehe ich und wo möchte ich hin?

Mache dir bewusst, wo dein Unternehmen auf der Stufenleiter der Digitalisierung steht. Es ist nicht realistisch, von der zweiten Stufe aus ohne Umwege die fünfte erreichen zu wollen.
Mache dir auch bewusst, welcher digitale Erfahrungsgrad in der Führung und den Mitarbeitern des Unternehmens vorherrscht. Abhängig davon werden völlig unterschiedliche Motivationsfaktoren eine Rolle spielen, um die Belegschaft und das Management auf die Reise mitzunehmen.

Schritt 3: Mit kleinen Schritten beginnen

Digitalisierung darf nicht heißen, dass erstmal viele Jahre lang geplant und konzipiert wird, bevor das Unternehmen in einem Mammutprojekt umgekrempelt wird. Das wichtigste ist, so schnell wie möglich Erfolge zu erzielen, Nutzen zu bringen und damit zu demonstrieren, dass es sich lohnt, diesen Weg weiterzugehen.

Schnelle Erfolge versprechen das Schaffen von Vernetzung, die Erhöhung von Transparenz und konsequente Automatisierung.

Beispiel Schaffen von Vernetzung: Unternehmens- oder Produktdaten, die in verschiedenen Prozessen benötigt werden, können durch die Vernetzung von Erzeugern mit verschiedenen Konsumenten wiederverwendet werden. Ein klassisches Beispiel sind zentrale Absatzzahlen, auf denen die Entscheidungen mehrerer Abteilungen basieren. Das verhindert Abweichungen im Datenstand zwischen Abteilungen und vermeidet den Aufwand der wiederholten Datenbeschaffung und -aufbereitung.

Beispiel Erhöhung von Transparenz: Wenn über ein zentrales Informationssystem für alle ersichtlich ist, auf welchen Kennzahlen Unternehmensentscheidungen getroffen werden, erhöht dies das Vertrauen der Mitarbeiter in die Unternehmensführung.

Beispiel Einführung von Automatisierung: Wenn die monatlichen Rechnungseingänge digital erfasst und verarbeitet werden, schafft dies anderweitig nutzbare Freiräume für die Buchhaltung.

Bei doubleSlash hat es sich bewährt, die Mitarbeiter selbst in die Identifikation solcher Potentiale einzubinden. Im Rahmen unseres Innovationsprozesses kann jeder Mitarbeiter Ideen einbringen, wie sich beispielsweise sein Arbeitsumfeld verbessern lässt. So ist die Akzeptanz von Vornherein sichergestellt und Digitalisierung wird nicht „durchgedrückt“.

Schritt 4: Kultur, Organisation und Technologie kontinuierlich weiterentwickeln

Nun heißt es vor allem: dranbleiben. Digitalisierung muss kontinuierlich und zielgerichtet weitergelebt werden. Mit der Digitalisierung einzelner Prozesse ist erst ein Anfang gemacht, der Wettbewerb entwickelt sich stetig weiter. Die Digitalisierung muss also in den Unternehmensstrategien und Unternehmenswerten verankert werden.

Die zentralen Handlungsfelder sind:

Etablierung einer „Data Culture“:

Das Teilen von Wissen im Unternehmen durch Vernetzung zwischen Menschen ist schon seit langer Zeit ein wichtiger Wettbewerbsfaktor. Die konsequente Weiterentwicklung hiervon ist das bereitwillige, selbstverständliche Teilen von Daten zwischen Abteilungen und Funktionen. Jedem Beteiligten muss klar sein, welcher Nutzen ihm oder dem Unternehmen daraus entsteht, dass Daten fachlich und semantisch korrekt verfügbar sind. Ohne einen erkennbaren Nutzen wird es an Akzeptanz fehlen.

Aber das alleine reicht nicht aus, wenn mit diesen Daten nicht gewinnbringend umgegangen wird. Der Aufbau von Datenkompetenz sollte Pflichtprogramm für jeden Mitarbeiter einer „data-driven company“ sein. Hierzu gehört, Daten richtig im Kontext interpretieren zu können, ihre Relevanz zu verstehen, aber auch, sie einfach und widerspruchsfrei visualisieren zu können.

Entwicklung der Data Governance:

Das organisatorische Framework bildet die prozessuale Grundlage dafür, wie mit Daten im Unternehmen umgegangen wird. Es definiert Verantwortlichkeiten für Daten, den Lebenszyklus, berücksichtigt unterschiedliche Schutzbedarfe und kann z.B. auch Service Level Agreements für die Datenbereitstellung definieren (z.B. die Verfügbarkeit oder Korrektheit von Daten). Eine Einführung in die Data Governance von Danny Claus ist hier zu finden.

Insbesondere die Data Governance wird häufig als abschreckend empfunden, da der Eindruck entsteht, dass solche Frameworks überladen wirken. Wir haben die Erfahrung gemacht, dass ein iterativer, agiler Ansatz auch zum Erfolg führt. Ohne ein Mindestmaß an Regulierung geht es nicht, aber die fallbezogene Einführung stellt geringere Hürden. So können für einen zentralen Unternehmensprozess und die beteiligten Daten sämtliche Verantwortlichkeiten und Qualitätsvorgaben definiert werden, ohne dass diese gleich für das gesamte Unternehmen gelten müssen.

Einführung und Verbesserung der benötigten Technologie:

Die Technologieauswahl wird anhand der Anforderungen getroffen, die durch die Digitalisierung der Prozesse entstehen. Es wird nicht funktionieren, eine Datenmanagement- oder Analytics-Fertiglösung einzukaufen in der Hoffnung, dass dies Wertschöpfung bringt.

Eingesetzte Technologie muss unbedingt von den Menschen verstanden und akzeptiert werden, die damit in Berührung kommen. Der Ansatz des „user-centered design“ kann diese Akzeptanz sicherstellen. Diesen werden wir zu gegebener Zeit noch genauer vorstellen.

Fazit

Auch wenn die Digitalisierung allgegenwärtig ist – das Verständnis davon, was sich dahinter verbirgt, ist sehr breit gefächert. Daher muss jedes Unternehmen für sich individuell entscheiden, wo es steht, wo es hinmöchte und sich auf den Weg machen. Solange Menschen, Prozesse und Technologie gleichermaßen berücksichtigt werden und das Ziel nicht aus den Augen verloren wird, können auch mit kleinen Schritten schon Potentiale gehoben werden. Dann ist der Weg geebnet für weitere Schritte in Form einer Digitalisierungsstrategie.

 

Mehr zu unseren Data Driven Services


Quellen:
1 https://www.cio.de/a/wie-das-vollstaendig-digitale-unternehmen-arbeitet,3574107
2 https://www.computerwoche.de/a/innovationsgeist-systematisch-foerdern,3545849
3 https://blog.doubleslash.de/data-governance-das-fundament-fuer-die-datengetriebene-digitale-transformation/

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