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If This Then That (IFTTT) – Vernetzung für Jedermann

07.03.2016

 

Aktuell beherrschen die Begriffe Connected Car, Smart Home und IoT die IT Welt. Im Beitrag “Internet of Bockmist“ – oder der Sinn des Internet der Dinge“ [2] haben wir bereits über unterschiedliche Perspektiven zum Thema IoT und unsere unternehmerischen Erfahrungen in IoT Projekten berichtet.

Ein weiteres Projekt aus dem Connected Car Umfeld an dem doubleSlash aktiv mitgearbeitet hat, ist die Integration von „If This Then That“ (IFTTT) in das aktuelle BMW Online Portfolio [3]. BMW Online bezeichnet zusammenfassend Online Fahrzeugdienste, die als Sonderausstattung (entsprechende Hardware vorausgesetzt) hinzugebucht werden können. IFTTT ist nun einer dieser Dienste, der unter dem Titel BMW Labs [4] zu finden ist.

Labs Ansätze sind nicht neu. Sie haben das Ziel, neue (virtuelle) Produkte und Features als Beta-Version schnell auf den Markt zu bringen, um die User Akzeptanz analysieren zu können und Feedback in weitere Entwicklungen mit einbeziehen. Basierend darauf wird entschieden, ob das Produkt weiter verfolgt oder verworfen wird. BMW hat diesen Ansatz aufgegriffen und mit IFTTT den ersten BMW Labs Service gestartet.

If This Then What?

Der in Europa noch relativ unbekannte Dienst If This Then That (IFTTT) ermöglicht es Anwendern, populäre Onlinedienste miteinander zu verbinden. Auf dem IFTTT Portal [5] finden sich zahlreiche Dienste (Channels), die der Anwender nutzen und verbinden kann. Voraussetzung für zahlreiche Channels ist ein Account, auf deren Inhalte via OAuth2 Authentifizierung zugegriffen wird.

Ist diese Grundlage geschaffen kann es auch schon losgehen, zwei Channels zu sogenannten Receipts miteinander zu verbinden. Einer der beiden Channels spielt die Trigger Rolle (This-Teil), der andere die Action Rolle (That-Teil). Wie der Name schon erahnen lässt: Feuert ein Trigger, wird eine Action ausgelöst. Wann ein Trigger auslöst, kann der Anwender selber über sogenannte Trigger Fields entscheiden. Trigger Fields werden vom Channel Provider definiert und sind bei Konfiguration des Receipts vom Anwender zu füllen. Darüber hinaus liefert ein Trigger beim Auslösen Informationen (Ingredients) mit, die dann wiederum von der Action verarbeitet werden können.

Ein Beispiel:
Geht auf einem GMail Konto eine E-Mail eines bestimmten Absenders ein, so soll eine neue Notiz in Evernote erstellt werden, die die Mail-Adresse des Absenders als Namen und den E-Mail Body als Inhalt hat. GMail und Evernote sind in diesem Beispiel die verwendeten Channels (auf beiden muss sich während der Konfiguration autorisiert werden), die Absenderadresse des Senders ist ein Trigger Field und zugleich ein Ingredient. Der E-Mail Body ist ein weiteres Ingredient, welches hier genutzt wird.

BMW auf IFTTT

Wie zahlreiche IT Seiten [6] berichtet haben, ist nun auch BMW als weiterer Channel auf IFTTT verfügbar und bietet einige Trigger sowie eine Action als konfigurierbare Bausteine an. So kann der Trigger beispielsweise bei Eintritt oder Austritt in/aus einem vom Anwender definierten Geo Fence auslösen, ebenso ist es möglich, eine Geschwindigkeit als Auslöser zu bestimmen. Als Action kann der Push eines E-Mail Betreffs ausgewählt werden. Angezeigt werden die Aktivitäten in einem Split Screen Widget, welcher anstatt der Uhr oder dem Wetterbericht eingestellt werden kann.

IFTTT – Vernetzung für Jedermann

So simpel IFTTT auch im ersten Moment erscheinen mag, entscheidend ist der Vorteil, dass der Anwender freie Hand über seine Use Cases hat. Und nicht nur das: Um IFTTT sinnvoll einsetzen zu können, muss der Anwender seine Problemstellungen erkennen und kann dann daraus kreative Lösungen kreieren. Das Schöne daran ist: Die Umsetzung erfordert keine Programmierkenntnisse oder andere technische Fähigkeiten. In meinen Augen ist dies eine große Stärke von IFTTT. Durch diesen sehr anwenderfreundlichen Ansatz kann jeder das Thema Vernetzung für sich kennenlernen und nutzen.

Über IFTTT findet auch ein Wissenstransfer in die breite Masse und zu den gewöhnlichen Anwendern statt, indem Verständnis für Vernetzung geschaffen wird. Der Einsatz von physisch beteiligten Komponenten (z.B. BMW) sorgt auch für ein weiteres Verständnis für IoT und die Möglichkeiten, die IoT mitbringt. Um oben genannte kreative Prozesse zu ermöglichen, muss dem Anwender klar sein, dass ein Trigger nur unter bestimmten Rahmenbedingen feuert und dies nicht in IFTTT selber ausgelöst wird, sondern an anderer Stelle passiert. Ebenso muss klar sein, dass IFTTT lediglich als eine Art Integrationsplattform dient, die wiederum externe Services für die Action aufruft.

Für einen Serviceprovider lohnt sich also die Mühe, sich mit seinem Service an IFTTT anzubinden, denn ein Produkt kann durchaus auch über IFTTT kennen oder nutzengerlernt werden. Nicht nur die Bekanntheit kann so gesteigert werden, auch die Akzeptanz im Markt kann über IFTTT überprüft werden. Somit wird IFTTT auch zum Validierungsmedium für beispielsweise Lean Startup Methoden.

Ökosysteme verlassen – der zweite Integrationsschritt

IFTTT ist unter einem Gesichtspunkt auch mehr als ein „Spielzeug“. Durch die Integration unterschiedlicher Services und auch bestehender IoT Lösungen wird es nun möglich, bestehende Ökosysteme zu verlassen und die Integration in andere zu ermöglichen. Beispielweise kann die mit Philipps Hue ausgestatte Wohnungsbeleuchtung nun nicht nur mit der mitgelieferten App aktiviert werden, sondern auch mit dem eigenen BMW – und zwar in dem Moment, wenn er in die heimische Straße abbiegt. Wenn sich noch gleichzeitig das Garagentor öffnet (Garageio), so wurden drei IoT Ökosysteme miteinander vernetzt. Die Möglichkeiten, die sich durch diesen Ansatz ergeben, erscheinen unendlich.

Selbstverständlich wäre dies auch ohne IFTTT möglich und Integrationsplattformen sind nicht neu. Da allerdings die Serviceanbindungen an IFTTT öffentlich sind, und so von jedem Anwender auch nutzbar, ist der Ansatz sehr generisch und wie bereits beschrieben liegt die Verantwortung für die Anwendungsfälle beim Anwender.

Nichtsdestotrotz bleibt IFTTT eine anwenderorientierte Plattform für Endkunden, die für einfache Anwendungsszenarien vorgesehen ist.

Aus der doubleSlash Projekterfahrung heraus sehe ich Schwierigkeiten von IFTTT für den Einsatz in komplexen Integrationsszenarien aus der Industrie, die nicht nur auf Gadgets beruhen. Der einfache Endanwender Ansatz kann und soll spezielle Themen wie Persistenz, Regelwerk, Datamapping und weitere Features von Integrationsplattformen nicht bedienen. Dies wäre für den Einsatz in der breiten Masse auch nicht zielführend, da hier komplexe Abläufe abgebildet werden sollen, die bei IFTTT dem Endanwender verborgen bleiben sollen.

Fazit

IFTTT ist nach genauerem Hinsehen weit mehr als nur Spielwiese für Anwender. Sinnhafte Receipts zu erstellen erfordert das Verstehen der Bedürfnisse und Kreativität bei der Lösungsfindung. IFTTT bringt Vernetzung und IoT in die breite Masse, zumal auch nicht IT-affine Anwender diese Plattform spielerisch einfach nutzen können. Da die Zahl der Channel fast täglich wächst, wird auch die Zahl der Anwender zunehmen. Nach wie vor ist IoT ein extrem gehyptes Thema (siehe Gartner Hype Cycle [7]), das Verständnis und das Nutzen der breiten Masse aber trägt dazu bei, wenn es darum geht, mehr aus einem Hype zu machen.


 

Quellen:

[1] https://labs.bmw.com/

[2] https://blog.doubleslash.de/internet-of-bockmist-oder-der-sinn-des-internet-der-dinge
[3] http://www.bmw.de/de/topics/faszination-bmw/connecteddrive/connecteddrive-services-offers/bmw-online-bmw-assist/online-assist-overview.html
[4] https://labs.bmw.com/
[5] https://ifttt.com/
[6] http://www.heise.de/newsticker/meldung/BMW-steuert-via-IFTTT-das-Smart-Home-3085257.html
[7]  http://www.gartner.com/newsroom/id/3114217

 

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