Welche Veränderungen datenbasierte Entscheidungen bringen

22.09.2021

Wir erleben ständig Veränderungen, dazu gehören auch Krisen wie die von Corona. Neben vielen wichtigen Dingen ist auch die Digitalisierung ein Feld, welches dabei helfen kann, diese Veränderungen besser zu bewältigen.

Eine nachhaltige und zielgerichtete Digitalisierungsstrategie ist aus diesem Grund für Unternehmen von zentraler Bedeutung, um als Leitlinie in unsicheren Zeiten zu dienen. Wir haben schon vor der Krise festgestellt, dass Digitalisierung Veränderung bedeutet, jetzt wissen wir, dass Veränderungen auch die Digitalisierung brauchen. Wir haben bei Gründer Konrad Krafft nachgefragt, ob und wie aktuelle Veränderungen die Digitalisierung treiben und wie Digitalisierung Veränderung mit sich bringt.

 

 

Konrad Krafft
doubleSlash Gründer Konrad Krafft


Nach Ausbruch von Corona stellte man fest, dass eine künstliche Intelligenz die Pandemie auf Datenbasis vorhergesagt hatte. Zeigt uns das, dass wir uns in Zukunft mehr auf datenbasierte Entscheidungen verlassen sollten?

Ein klares Jein. Seit jeher ist der Mensch auf Informationen angewiesen. Schon vor Tausenden von Jahren mussten Menschen wissen, welche Pflanzen essbar waren und welche nicht. Sie haben dieses Wissen über Generationen weitergereicht. Eine Entscheidung darüber, eine falsche Pflanze zu essen, konnte im Zweifelsfall tödlich ausgehen – im besten Fall hat es nur Bauchschmerzen verursacht. Wir treffen Entscheidungen grundsätzlich immer anhand von vorhandenen Informationen – bewusst und unbewusst. Informationen bzw. Daten zu verarbeiten ist demnach keine Neuheit.

Wir sollten also bei Entscheidungen von Computern genauso kritisch nachfragen, welche Daten zugrunde liegen und mit welchen Daten die KI trainiert wurde?

„Neu“ hinzugekommen ist die digitale Verarbeitung von Informationen. Die Informationsverarbeitung funktioniert mit Lichtgeschwindigkeit und eine Maschine kann unendlich viel mehr Informationen berücksichtigten, als der Mensch.

Die Maschine hängt also die menschliche Leistung der Informationsverarbeitung ab?

Bei einem Menschen ist der „Speicher“ begrenzt. Er kann mit maximal fünf bis sieben Faktoren in einer bewussten Entscheidung jonglieren – bei einer Bauchentscheidung sind es bis zu 20. Pro Sekunde können wir etwa 1013 analoge Rechenoperationen schaffen. Eine Maschine kann schon heute deutlich mehr. Der Supercomputer BlueGene/L von IBM z.B. schafft bis zu 3,6 1014 Gleitkommaoperationen/Sekunde mit doppelter Genauigkeit. 1

Die Maschine hat also den Geschwindigkeitsvorteil inklusive der Menge an Daten, die sie verarbeiten kann. Sie hat jedoch auch zwei entscheidende Nachteile:

  1. Sie kann, im Gegensatz zum menschlichen Gehirn, keine Informationen selbst sammeln. Wir müssen die Maschinen „füttern“ und sie trainieren (DeepLearning).
  2. Das menschliche Gehirn ist hochgradig vernetzt, dadurch entsteht eine massiv parallele Verarbeitung, die Computer heute noch nicht leisten können. Dennoch arbeiten Chip-Designer daran, diesen Nachteil zu beseitigen. 2

Der Roboadviser der Firma Minveo AG hat z.B. im Bereich Aktien im Echtzeithandel einen absoluten Glückstreffer in der Corona-Krise gelandet. Auf Basis von KI wurden rechtzeitig Risiken von Märkten erkannt und innerhalb von Sekunden Aktien abgestoßen. 3 Wie man sieht, beschleunigt Technologie alles und erlaubt sehr viel mehr in weniger Zeit. Wer schnell ist und genügend Daten hat, kann mehr Gewinne machen – so die vereinfachte Formel.

Entscheidungen mithilfe von KI können uns also weiterbringen?

Definitiv. Aber wir müssen im Hinterkopf behalten, dass Entscheidungen genauso falsch sein können – wie beim Menschen. Große Mengen korrekter Daten sind im Bereich KI der entscheidende Faktor. Eine Verzerrung durch unzureichende Daten kann Fehlentscheidungen begünstigen – das nennt man in der Fachsprache Bias-Effekt. Die Annahme, dass Computer und KI unfehlbar sind, ist falsch, da sie von uns „gefüttert“ oder programmiert werden. So sehr Entscheidungen in Echtzeit – ohne menschliches Eingreifen – von Vorteil sind, so sind sie an vielen Stellen ethisch schwierig. Das gilt nicht nur für offensichtliche Fälle beim Militär, wo es um Leben oder Tod geht, sondern auch im Wertpapierhandel. Wenn unabsehbare Schäden entstehen können, sollte eine Entscheidung einer KI nicht direkt zu einer Aktion führen, sondern von einem Menschen bestätigt werden. Vor allem immer dann, wenn eine Maschine kein vollständiges Bild von der Welt hat, hierzu zählen eben auch moralische Grundsätze. Ich sehe da also in erster Linie die KI als ein Assistenzsystem, die uns Entscheidungen vorschlägt. Langfristig werden wir aber nicht umhinkommen, den Maschinen auch Regeln für die Moral beizubringen.

Wir brauchen also ethische Grundsätze für Maschinen?

Ich bin ein Fan davon, Richtlinien, die in der realen Welt entwickelt wurden, auch auf die digitale Welt zu übertragen. Wer haftet z.B. für eine falsche Entscheidung? Ein Kontrollmechanismus ist wichtig. Wir haben nämlich bei Maschinen einen entscheidenden Vorteil, was ich als Chance herausstellen möchte: Dadurch, dass eine komplette Datengrundlage gegeben ist, können Entscheidungen transparent nachvollzogen werden. Also warum so gehandelt wurde oder mit welchen Daten „gefüttert“ wurde. Bei einem Menschen ist das nicht möglich, das würde dem Grundsatz des Schutzes der einzelnen Person widersprechen. Daten für die Entwicklung von KI müssen daher sogfältig ausgewählt werden. Die Qualität und damit der Grad an Fehlerfreiheit einer KI wird durch die Datenauswahl bestimmt – je besser die Daten, desto besser die Entscheidungen.

Um gute Entscheidungen abzusichern wird es vielleicht einmal einen KI TÜV für Maschinen geben. So wie beim Auto, das darf auch nicht auf öffentlichen Straßen fahren, wenn es nicht regelmäßig technisch überprüft wird.

Was sind gute datenbasierte Entscheidungen?

Das ist schwierig pauschal zu beantworten. Eine „gute“ Entscheidung sollte immer einen Mehrwert bringen, sie sollte Dinge voranbringen. Man könnte auch sagen, aus Unternehmenssicht sind die Entscheidungen am besten, welche das beste nachhaltige Kosten-Nutzen Verhältnis darstellen. Hierbei können Daten helfen, da sofern eine gute Datengrundlage vorhanden ist, Muster aus der Vergangenheit erkannt werden können, die zu einem guten Kosten-Nutzen Verhältnis geführt haben. Dabei ist die Aufgabe für eine KI die gleiche wie für einen Menschen, eben nach diesen Mustern zu suchen.

Wie sieht deine Zukunftsprognose aus?

Schnellere und bessere Entscheidungen mit Hilfe von Daten und KI-Technologien zu treffen wird kommen.
Die Vorteile liegen auf der Hand. Wenn wir aufgrund von Nutzungsdaten der Kunden neue Produkte erfinden, bietet dies ein enormes Wertschöpfungspotential. Oder wenn wir aufgrund von Daten Geräte rechtzeitig reparieren, werden auch wertvolle Ressourcen geschont.

Ich denke aber, dass die Frage nach der Qualität von softwarebasierten Entscheidungen weiter in den Mittelpunkt rücken wird. Die Geschwindigkeit können sie bieten, das sehen wir heute schon, aber die ganzheitliche Qualität dieser Entscheidungen wird Gegenstand der Entwicklungen in den nächsten Jahren werden.

 

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Quellen Text:

1 https://de.wikipedia.org/wiki/Gehirn#Leistung_des_Gehirns ^

2 https://m.heise.de/tr/artikel/Hardware-mit-Hirn-1478384.html?seite=all ^

3 https://www.presseportal.de/pm/142861/4554256 ^

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